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Schatten über Innsmouth | Howard Ph. Lovecraft | Rezension

Schatten über Innsmouth

In all diesen Straßen war kein Lebewesen zu sehn und ich wunderte mich über die Abwesenheit ob Hunden und Katzen in Innsmouth. Außerdem verblüfften und verängstigten mich die vielen, sogar in den best erhaltensten Villen komplett verschlossenen Fenster im dritten Stock und Dachgeschoß. Heimlichkeit und Verschwiegenheit schien in dieser todgeschwiegenen Stadt voll Fremdartigkeit und Tod allgegenwärtig und ich konnte dem Gefühl nicht entkommen von allen Seiten aus dem Hinterhalt heraus von durchtrieben Starren und sich niemals schließenden Augen beobachtet zu werden.

„Die Welt ist wirklich komisch, aber der Witz ist die Menschheit“, so sagte Lovecraft einst. Ich bin hin und wieder mal in einem Hype gefangen. So auch als ich mich wieder mit Cthulhu und dem Lovecraft Universum beschäftigt habe. Daher war es für mich interessant, was denn in dem bekannten Innsmouth passiert ist. Die Geschichten sind bald 90 Jahre alt und werden zuerst einmal mit Cthulhu verbunden. Oft denkt man an das dunkle Meer, ein Kraken ähnliches Monster, dass alle in den Wahnsinn treibt und nicht erwachen darf. Mittlerweile weiß ich, dass Cthulhu nur ein „Priester“ und Vorbote der wirklich großen Monster ist.

Innsmouth liegt in Massachusetts an der Küste von Essex County. All diese Wohngegenden sind fiktiv. Deshalb nennt man es oft „Lovecraft Country“. Der Bereich liegt eher gesagt nördlich von Boston. Dort liegt das sogenannte Teufelsriff, das man bei Ebbe und Vollmond besonders gut sehen kann. In der Geschichte wird dies Quelle des Grauens. Die Stadt wird nicht als besonders schön beschrieben; eher feucht, kalt, matschig und hässlich. Das spürt man in jeder Zeile. Da ich auch das PS4 Spiel Bloodborne gespielt habe, dessen Entwickler große Lovecraft Fans sind, konnte ich es mir noch bildlicher vorstellen.

Vorangestellt: Ich kann die Kurzgeschichte als reine Geschichte nicht jedem empfehlen. Ein Interesse an Lovecraft kann die Neugier an diese Geschichte wecken. Vor allem das Ende ist gut, denn es stellt sich noch mehr heraus, als es zu Beginn den Anschein hat.

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Die Stadt Innsmouth wird in dem Buch sehr genau beschrieben und ist ein beliebter Ort vieler Spiele, Brettspiele und weiteren Geschichten. 1643 wurde sie als wichtige Hafenstadt gegründet. Doch knapp 200 Jahre später war von der Wirtschaftlichkeit der Stadt nichts mehr übrig. Ein gewisser Kapitän Obed Marsh soll die Stadt gerettet haben, als er Anfang 1840 den Fischfang gefördert und ein Anschluss ans Eisenbahnnetz durchgesetzt hat. Eine Epidemie machte auch das zunichte und angeblich leiden seitdem die Menschen an einer ungeklärten, genetisch bedingten Alterskrankheit, die alle Menschen wie „fischartige“ Wesen aussehen lässt. Die Umgebung nennt es den „Innsmouther-Look“. Lovecraft schreibt in Innsmouth wieder über eine Person, die entweder journalistisches oder detektivisches Interesse besitzt: Robert Olmstead. Er liebt es, Orte zu besuchen und besucht daher auch Innsmouth, als er eigentlich zu seiner Familie nach Arkham möchte. Damit nimmt die Geschichte ihren Lauf.

Die Kurzgeschichte handelt von zwielichtigen Personen, dem mysteriösen Orden des Dagon, dem dunklen Meer, aber allen voran auch von Rassismus, die eine Degeneration der Stadt hervorbringen soll. Man muss schon sehr an Cthulhu und Co. glauben oder interessiert sein, um das Buch gut zu finden. In den 210 Seiten in Schatten über Innsmouth werden allein ca. 1/3 davon für eine ausführliche Beschreibung von Innsmouth genutzt. Es fühlt sich daher an, als liest man über eine Person, die einen Tour Guide schreibt, der eine schlechte Erfahrung bringt. Es ist was Besonderes, weil es die Gesellschaft ist, die einen in Grauen versetzen soll. Es dauert also lange, bis es endlich wirklich spannend wird. Ist in einer Kurzgeschichte schwierig. Aber dann geht der Wahnsinn auch schon los, die Monster zeigen sich, der Kult zeigt sich und gerade zwischen den Zeilen wird es spannend.

Es erwarteten alle die Veränderungen, die nach einer Zeit gar nicht mehr schrecklich für sie waren. Sie dachten was sie daraus zogen, war alles wert was sie dafür aufgegeben hatten. Und ich denke Obed hat sich das so ähnlich überlegt, als er über Walakea Geschichte nachgedacht hatte. Doch Walakea ist einer der wenigen, die nix von dem Fischblut in sich hatten. Er kam aus einer Adelslinie, der sich nur mit Adelslinien von anderen Inseln verheiratete. Walakea zeigte Obed viele seiner Riten und Beschwörungen, die mit den See Viechern zu tun hatten und hat ihn einige seiner Leute gezeigt, die sich stark von ihrer Menschenform verändert hatten. Irgendwie seltsam, denn er ließ ihm nie einen den normalen Viechern aus dem Meer zeigen.

Lovecraft vermeidet es gerne, einfach Aussagen oder Erklärungen zu verwenden, wenn dies nicht nötig ist. Deshalb ist auch sein Schreibstil mysteriös. Der Wahnsinn steckt in den Zeilen. Denn jede Aussage soll den Leser verwirren. Damit soll sich irdisches und kosmisches Leben vermischen. Wir sollen an eine andere Welt glauben. Wie in jede seiner Geschichten, gibt es ein Problem und es wird eine rationale Erklärung gesucht, bis der Protagonist mit der Wahrheit konfrontiert ist, die irrational ist. Die Welt, in der ein Protagonist eintaucht, spielt immer mit anderen Regeln. Für den Leser soll keine Angst erweckt werden, es soll die Befindlichkeit berührt werden, damit dieser eine unheimliche Atmosphäre spürt. Wahnsinn und Beklemmung sind die Gefühle, die man übermitteln möchte. Das Schatten über Innsmouth am Ende seine einzige Mini Buchpublikation war, da diese Veröffentlichung sogar mehrfach aufgehalten wurde.

Darüber hinaus deckt Schatten über Innsmouth auch den Rassismus auf, der mittlerweile über Lovecraft weit diskutiert wird (=Link https://lithub.com/we-cant-ignore-h-p-lovecrafts-white-supremacy/ und https://www.jstor.org/stable/26868554 ). Auch ist Atavismus ein ständiges Thema, bei den eine mentale, moralische oder körperliche Veränderung zu einem andersartigen Wesen passiert, die immer Teil der Familiengeschichte ist. Lovecraft verwendet neben Verwirrung auch fremde Sprachen, die wirklich schwer auszusprechen sind. Lovecraft hasst die Rassenvermischung, fremde Sprachen und schreibt dies in seiner Figur Robert Olmstead, der am Ende sogar selbst degeneriert und ein Teil der Rassenvermischung wird. Das Finale zeigt, dass Olmstead unumkehrbar auch ein Fischmensch wird. Die persönlichen Eigenschaften von Olmstead ähneln dem Autor, weshalb man auch von einem Alter Ego ausgehen kann.

Eines Nachts hatte ich einen furchteinflößenden Traum, in dem ich meine Großmutter unter dem Meer traf. Sie lebte in einem phosphoreszierenden Palast mit vielen Terrassen und Gärten und seltsamen absonderlichen Korallen und grotesken verzweigten Ausblühungen. Sie hieß mich mit einer wärme willkommen, die vielleicht auch Süffisanz innewohnte. Sie hatte sich verändert, wie die es eben zum Wasser zieht sich verändern. Und sie sagte mir auch, dass sie nie gestorben sei. Viel eher hat sie es an einen Ort gezogen, von dem ihr Sohn ebenfalls erfahren habe und entflohen in ein Reich, dem ihm ebenfalls bestimmt, er mit einer rauchenden Pistole verschmäht hatte. Dies sollte ebenfalls mein Reich sein. Ich konnte dem nicht entkommen. Ich würde nie sterben, sondern mit denen zusammenleben die schon lebten ehe ein Mensch auf dieser Erde schritt.

Der Rassimus in den Büchern wird dadurch deutlich, dass die Personen in den Büchern sich mit fremdartigen Rassen vermischen, verderben und damit die Gesellschaft laut den Figuren degenerieren. Hiermit werden verschiedenen Punkte geliefert, die für rassistische Züge sprechen: geistig und körperlich. Olmstead selbst hat diese rassistischen Züge zu Anfang selbst, bis seine Person vollständig übernommen wurde und er die positiven Dinge in der Veränderung sieht. Von Schatten über Innsmouth wird Schatten der Wunder, womit Lovecraft Grauen und Abscheu in dem Leser wecken möchte. Man wird selbst zu einer vermischten Rasse, weil man sich mit Olmstead entwickelt. Die Abartigkeit der Andersartigkeit ist Ziel von Lovecraft Grauen.

Zudem las er viel über Rassen und glaubte selbst, die Engländer und amerikanischen Kolonien waren die Krönung zum Übermenschen. Doch er selbst war mit einer Jüdin verheiratet. Briefe von ihm zeigten, dass er mit der Zeit aber an Rassenhass verlor. Dann wiederum schreibt er von „abstoßenden Kulturstrom“ der Juden, Einwanderer seien „kriechende Bauern“ und „stinkende Mischlinge“. Erst am Ende seines kurzen Lebens wandte er sich vom Rassismus ab.

Aber dabei beobachteten mich verstohlene watschelnde Kreaturen und starrten hintergründig in meine Richtung. Und normale Gesichter betrachteten mich kalt und neugierig. Innsmouth wurde rasch unerträglich.

Allein durch Schatten über Innsmouth lässt sich sein Rassismus schwer erkennen oder ob er nur der damaligen Gesellschaft entsprach. Die Fischmenschen, das Xenophobia eine Angst ist und das Andersartigkeit widerlich ist, lässt aber darauf schließen, dass Schatten über Innsmouth auf Rassismus anspielt. Deshalb ist für mich Innsmouth nicht nur ein Cthulhu Buch, sondern auch ein interessantes Buch zum Rassismus in der Phantastik.


Howard Ph. Lovecraft | Schatten über Innsmouth

29.07.1990 | 128 Seiten

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Schatten über Innsmouth | Leseprobe

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