Rezensionen

Der letzte Wunsch

Der letzte Wunsch von Andrzej Sapkowski

Buchrezension zu der letzte Wunsch von Andrzej Sapkowski

„Irgendwie komme ich zurecht. Weil ich muss. Weil ich keinen anderen Ausweg habe. Weil ich Hochmut und Stolz auf mein Anderssein in mir bezwungen habe, denn ich habe begriffen, dass Hochmut und Stolz zwar ein Schutz vor dem Anderssein sind, aber ein erbärmlicher. Weil ich begriffen habe, dass die Sonne anders scheint, weil etwas sich ändert, und nicht ich bin der Angelpunkt dieser Veränderung. Die Sonne scheint anders und wird weiter scheinen, es hilft nichts, mit Steinen nach ihr zu werfen. Man muss die Tatsachen akzeptieren“

Andrzej Sapkowski – der letzte Wunsch, Am Rand der Welt, S.271, dtv.
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Der letzte Wunsch ist eine Kurzgeschichtensammlung von Andrzej Sapkowski und wurde 1993 als erste Auflage veröffentlicht. Nachdem Geralt in einem Kampf schwer verwundet wurde, wird er in den Tempel der Melitele in Ellander gebracht, um sich von seinen Verletzungen zu erholen, um von Nenneke, einer guten Freundin von ihm, versorgt zu werden. Die Kurzgeschichten springen dabei immer von der Geschichte „Die Stimme der Vernunft“ zu den einzelnen folgenden Kapiteln:

Der Hexer, Ein Körnchen Wahrheit, Das kleinere Übel, Eine Frage des Preises, Der Rand der Welt und der letzte Wunsch.

Ganz unten gibt es dann noch zusätzlich die Leseprobe zu der letzte Wunsch.

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Ob ihr die Hexer Saga oder den letzten Wunsch zuerst lesen sollt, hab ich heut in der Vorstellung der Buchreihen erläutert!

Als großer Witcher Fan, durch die Spiele, aber auch die Geralt Saga, habe ich mich viel zu spät an die Kurzgeschichten gewagt. Ich hatte Angst vor einer Enttäuschung, nämlich, dass die Kurzgeschichten nicht gut sein werden, da sie nun mal kurz und ohne fortführende Handlung mit einer Einleitung, Hauptteil und Schluss sind. Doch wie sehr habe ich mich da getäuscht. Ich kann mich nun den Hexer Fans anschließen und sagen: Die Kurzgeschichten sind deutlich besser als die Geralt Saga.

In „der letzte Wunsch“ ist man direkt im Geschehen und ich kann nicht sagen, ob die Kapitel im Tempel der Melitele für andere genauso spannend sind, aber ich als Fan fand es unglaublich interessant mehr über Geralt zu erfahren. In diesem Handlungsstrang lernt man viel über ihn und seine Persönlichkeit. Er öffnet sich zum Beispiel einer Novizin, die ein Schweigegelübde abgelegt hat und man kommt ihm so nah wie nie.

„Die Leute […] denken sich gerne Ungeheuer und Ungeuherlichkeiten aus. Sie selbst kommen sich dann weniger ungeheuerlich vor. Wenn sie sich volllaufen lassen, betrügen, stehlen, die Frau mit dem Riemen prügeln, die alte Großmutter hungern lassen, mit der Mistgabel einen in die Falle geratenen Fuchs erstechen oder das letzte Einhorn der Welt mit Pfeilen spicken, stellen sie sich gerne vor, dass die Mora, die im Morgengrauen durch die Hütten geht, noch schlimmer ist als sie“

Andrzej Sapkowski – der letzte Wunsch, Am Rande der Welt, S.230, dtv.

Doch die interessanteren Geschichten sind die Kapitel dazwischen. In der Hexer erfährt man viel über die Stadt Wyzima und Geralt, indem er einen gewöhnlichen Hexer Auftrag annimmt. Dieser Auftakt war auch der Übergang zum Kapitel die Stimme der Vernunft. Dieses Kapitel kann man auch bereits im Netflix Trailer sehen.
In ein Körnchen Wahrheit finden wir die aller erste Märchen Anspielung in der Witcher Welt. Geralt begegnet in diesem Kapitel einer verfluchten Bestie, doch es scheint nicht alles so wie es ist.
In das kleinere Übel erfahren wir, weshalb Geralt der Metzger von Blaviken genannt wird, denn nun wird die Geschichte erzählt.
Im Kapitel eine Frage des Preises wird die Vorsehung um Geralt ins Rollen gebracht. Hier erfahren wir, warum Geralt für Ciri vorherbestimmt ist und was es mit der Vorsehung und dem Gesetz der Überraschung auf sich hat.
In am Rande der Welt reist Geralt weit nach Dol Blathanna, dem Blumental und trifft dort auf Rittersporn. Mit seinem besten Freund übernimmt er einen aberwitzigen Auftrag.
Zuletzt in der letzte Wunsch, gleichnamig des Buches, treffen wir erneut auf Rittersporn und Geralt in der Nähe der Stadt „Rinde“. Aus Rittersporns Hochmut kommt es, wie es kommen muss, und er gerät in Gefahr. Nun lernt man Yennefer kennen, denn nur sie kann ihm noch helfen. Die hilfsbereite Zauberin hat dabei aber ihre eigenen Pläne. Wer jetzt vorher die Geralt Saga gelesen hat, wird von ihr ziemlich überrascht sein.

„Fehler? Ja gewiss. Ich habe welche gemacht. Aber ich habe mich an die Prinzipien gehalten. Nein, nicht die Regel. Ich habe mir angewöhnt, mich manchmal hinter der Regel zu verstecken. Die Leute mögen das. Jemand, der irgendwelche Regeln hat und sie befolgt, wird geachtet und ernst genommen. Es gibt keine Regel. Nirgends ist eine Regel für Hexer festgelegt. Meine habe ich mir selbst aufgedacht.“

Andrzej Sapkowski – der letzte Wunsch, Die Stimme der Vernunft, S.159, dtv.

Wenn ich die Kurzgeschichten in ein Ranking setzen würde, dann wäre für mich der Hexer am besten, dann, das kleinere Übel, ein Körnchen Wahrheit, der letzte Wunsch, eine Frage des Preises und zuletzt am Rande der Welt. Dennoch sind alle Kurzgeschichten sehr gutgeschrieben und haben mir eine große Leselust bereitet. Ich fand den Kampf und die düstere Geschichte in der Hexer sehr gut geschrieben und spannend. Es hat durchgehend gepasst und als erste Geschichte hat sie mich sofort zum Weiterlesen motiviert. Das kleinere Übel finde ich aufgrund der Geschichte dahinter spannend und den Dialog mit den einzelnen Protagonisten besser als in den anderen Geschichten. Auch der Mythos um den „Metzger von Blaviken“ wollte ich endlich erfahren und fand es umso interessanter, als ich es in diesem Kapitel lesen konnte und der Höhepunkt erreicht wurde. Auch ist in der Kurzgeschichte das berühmte Zitat „Lesser Evil/Geringere Übel“ aufgeschrieben. Geralt steckt hier in einem starken Konflikt. In der Regel sind die Geschichten oft wie Märchen aufgebaut: mit einer Moral und einem Sinneswandel für das Gute, weshalb die Aussage Geralts ziemlich gut passt. Das Zitat stammt hier aus einem Gespräch mit einem Zauberer, dem er sagt, dass er sich nicht für das eine oder das andere Böse entscheiden will; das er nichts Böses tun möchte und sich nur für das Gute entscheiden will. Mit diesem Konflikt wird Geralt in das kleinere Übel konfrontiert. Er begegnet dem anderen geringeren Übel und merkt, dass wenn er sich nicht entscheidet, schlimme Dinge passieren. Geralt steckt im Konflikt zwischen seiner Meinung und sich für das geringere Übel zu entscheiden. Wie Geralt sich am Ende entscheidet, solltet ihr unbedingt selbst nachlesen! Mir hat es auf jeden Fall unglaublich gut gefallen.

In ein Körnchen Wahrheit ist wieder ein Märchen stark ausgeschmückt. Im Mittelpunkt steht ein Ungeheuer, dass die Geschichte erzählt. Diese ist recht spannend, man möchte dem Ungeheuer tatsächlich zuhören. Dabei ist das Gespräch witzig und ein Kampf rundete das ganze sehr gut ab.

Mit der letzte Wunsch war ich nicht ganz so zufrieden, da ich mir was anderes erhofft habe. Aber Charaktere handeln nach ihren Personas und das war hier auch gut so, denn der Autor hat das Spiel zwischen Geralt und Yennefer kitschig, aber gutgeschrieben. Ich war hier tatsächlich überrascht von der einen oder anderen Handlungen. Im Nachhinein ist es aber einer meiner liebsten Geschichten.

Eine Frage des Preises erzählt von Dingen, die ich leider durch das Witcher 3 Spiel bereits kannte. Es handelt sich aber um eine schöne Geschichte zwischen einem Ritter und seiner Prinzessin. Gerade diese Geschichte ist der Auftakt zum Gesetz der Überraschung und der großen Vorsehung. Man erfährt die Vorgeschichte von allem aus der Geralt Saga.

„Kleiner, größer, dazwischen, es ist alles eins, die Proportionen sind relativ und die Grenzen verwischt. Ich bin kein heiligmäßiger Einsiedler, ich habe im Leben nicht nur Gutes getan. Aber wenn ich zwischen dem einen und dem anderen Übel wählen soll, dann wähle ich lieber gar nicht.

Andrzej Sapkowski – der letzte Wunsch, Das geringere Übel, S.122, dtv.

Wieso wird Geralt Ciris Ziehvater? Wieso sind die beiden Vorherbestimmt? Wieso führt es Geralt immer wieder zu ihr? Es passiert hier das Schlüsselereignis, das alles ins Rollen bringt. Der nächste Sprung findet dann erst in das Schwert der Vorsehung statt und wird zu einer ungefähren Fortsetzung dieser Geschichte. Dabei gefiel mir das Zusammenhanglose. Nichts ist immer eine Verkettung von Ereignissen, die hintereinander passieren. Manche Geschichten passieren außerhalb des Skripts, bei manchen werden wir Leser noch im Dunkeln gelassen. Man spürt richtig, dass Zeit zwischen den einzelnen Geschichten vergangen ist, weil wir selbst einiges mit Geralt erlebt haben. Es ist kein Zeitsprung, der irgendwie im Kapitel datiert werden muss und das gefiel mir sehr an dieser Verknüpfung.

Zuletzt fand ich am Rande der Welt als die am wenigsten beste Geschichte. Rittersporn heiterte die Dialoge sehr gut auf, da er ein sehr schöner sympathischer Charakter ist, doch hat mich die Geschichte am wenigsten interessiert, denn hier gibt es nur einen mürrischen Elfen und eine nervige Ziege. Doch ein wenig Peinlichkeit heitert die Geschichte tatsächlich noch gut auf.

Header Fazit

Wer das Spiel Witcher 3: The Wild Hunt kennt, wird die Kurzgeschichten lieben. Wer neugierig ist, wer der Hexer Geralt ist und worum es in diesem Hype um das Spiel geht, dem kann ich diese Kurzgeschichten sehr empfehlen. Man muss nicht die Geschichte hinter Witcher 3 kennen, noch muss man irgendwelche Vorkenntnisse über die Geralt Saga haben. Diese Geschichte ist die Vorgeschichte zu dem Zyklus und kann auch zuerst gelesen werden. Wer das aber nicht tut, schadet sich damit nicht. Ich kann für alle Fantasy Leser dieses Buch sehr empfehlen.

Und wenn ihr jetzt noch wissen möchtet, wie sich Geralt und Yennefer kennengelernt haben, dann schaut einfach mal hier vorbei.

Der letzte Wunsch Leseprobe:

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