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5 Gründe wieso ich Blue Sky Black nicht mochte| Rezension

Blue Sky Black von Johanna Danninger

Eigentlich wollte ich mein neues Format „5 Gründe für/gegen“ ein Buch mit einer meiner Lieblingsreihen beginnen, denn es gibt ja eigentlich nichts Negativeres, als mit einer Entfehlung in ein neues Blogformat zu starten. Aber bei Blue Sky Black hatte ich das Bedürfnis euch die 5 Gründe zu nennen, wieso ich dieses Buch nicht empfehlen würde, obwohl es nach einer wirklich tollen Dystopie klingt. Eine normale Rezension wäre hierfür wohl viel zu lang geworden. Seid gewarnt, dass ich in diesem Beitrag Spoiler – zwar durchgehend, da ich das Buch nicht anderes thematisieren könnte.

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Milas und das Leben aller Menschen auf der Welt verändert sich schlagartig als eine Reihe von Naturkatastrophen die gesamte Welt zerstört. Sie muss in eine neue Heimatstadt ziehen und schauen, wie sie und ihr Opa über die Runden kommen. Doch als eines Tages Logan in ihr Leben tritt, verändert es ihre Sicht auf die Welt komplett.

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  1. Mila Superstar

Die Protagonistin in Blue Sky Black heißt Mila und ist finde ich ein sehr problematischer Charakter. Eigentlich mochte ich sie, doch dann kamen immer mehr Dinge auf, die sie mir einfach vermiest hat. Mila verliert ihre Familie am Anfang des Buches und lebt fortan bei ihrem Opa. Der stirbt aber relativ schnell und obwohl sie total niedergeschlagen ist, vergisst sie seinen Tod an dem Punkt, an dem Logan in ihr Leben tritt. Die Trauer wird auch kein einziges Mal mehr thematisiert oder dass sie ihren Opa irgendwie vermisst. Dann bekommt sie natürlich das angebliche Virus verpasst, dass die neue Welt-Ordnung entwickelt hat und natürlich wird sie dadurch zum Supermenschen. Sie kann nur noch krasses Zeug und ist auch in allem einfach heftig. Achja und Amnesie hat sie auch, deshalb kann sie sich an niemanden mehr erinnern. Aber ihre Erinnerungen kommen dann auf einen Schlag wieder als sie Logan einmal küsst. Ist logisch, oder?

  1. Die Liebesgeschichte

Uff das Buch konnte sich einfach nicht entscheiden: Liebesschnulze oder Dystopie. Naja, in anderen Dystopien haben ja auch beide Aspekte gut funktioniert, wieso nicht hier? Es ist ein Einzelband, da hätte sich der Verlag und die Autorin entscheiden sollen, welcher Aspekt fokussiert wird. Eine Dystopie kann nicht ohne eine ordentlich aufgebaute Weltordnung funktionieren und der Liebesaspekt sollte dabei an zweiter Stelle kommen. Leider wurde versucht die Liebesbeziehung in den Fokus zu setzen, was nicht funktioniert hat. Die beiden Protagonisten fangen an sich ganz früh „ich liebe dich“ zu sagen und lieben sich nach knapp 2 Wochen so abgöttisch, dass sie nicht mehr ohneeinander können. Dazu rennen beide kopflos durch die Welt. Selbst als Mila sich nicht mehr an Logan erinnert, vertraut sie ihm ganz plötzlich und wie gesagt, als sie ihn küsst, kommen ihre Erinnerungen auf einen Schlag plötzlich zurück und sie hasst auch ganz plötzlich jeden anderen.

  1. Die neue Weltordnung

Japp sie heißt tatsächlich „New World Order“ bzw. NWO. Nicht mal nach einem anderen Namen wurde sich bemüht. Aber diese Ordnung ist – sorry, wenn ich das so sagen muss – dumm. Anders kann ichs‘ nicht ausdrücken. Sie schaffen es nicht 2 Flüchtende zu finden, die immer und immer wieder gesagt haben, WOHIN sie gehen würden, wenn sie aus ihrem Dienst entlassen werden würden. Sie finden gaaaaaar keinen Anhaltspunkt und checken nicht mal, wenn die Figuren in den sogenannten Safetowns fröhlich ein und ausgehen. So ist es nämlich, als die Gruppe rund um Mila das angebliche Virus entdecken. Sie können einfach ohne Probleme in diese Stadt reinfahren, den Doktor bedrohen und kommen überall hin. Keiner fragt nach, keiner wundert sich. Und nicht einmal als das Virus zerstört wurde, checken die Techniker, dass der „Widerstand“ sie gehackt hat. 6 ganze Monate lang nicht.

Als die NWO zu Beginn des Buches in die Stadt von Mila einfallen, weil sie dort Logan vermuten, drohen sie nur ein bisschen und verschwinden. Sie schüchtern nicht ein, sie verhalten sich nicht wie ein Regime, das im Grunde nur noch jüngere Leute haben will – so wie es eigentlich erzählt wird. Sie halten die übrigen Menschen, die außerhalb dieser selbstgebauten Safetowns wohnen nicht an der kurzen Leine und lassen sie machen was sie möchten. Fröhlich kann sich Widerstand formieren, aber das tut es ja auch nicht wirklich, denn gegen was sollen die Menschen sich wehren, wenn die NWO nur vor sich hin dümpelt?

Die Gründe für die NWO werden nie klar, ihre Regierungslinie ebenso nicht. Selbst am Ende dachte man als Leser, dass die NWO jetzt komplett besiegt ist (innerhalb von knapp 20 Seiten – logisch, oder?) und dann kommt raus, dass sie nicht den Präsidenten der NWO getötet haben, sondern einfach jemand höheren, der halt für die Stadt zuständig war. Aber den Rest übernehmen dann andere, weil sie sind ja jetzt glücklich und mit ihrem Beispiel können ja alle anderen ganz einfach auch alle anderen stürzen. Selbst in der Inhaltsangabe steht, dass Logan und Mila die Welt retten würden.

  1. Rassismus

Ein weiterer wirklich unglaublich krasser Aspekt war der Rassismus in Blue Sky Black. In dem Buch wird ein indigenes Volk fokussiert, weil sie von der neuen Regierung ignoriert werden und sich die Protagonisten bei ihnen verstecken können. Das ist ja grundsätzlich ziemlich cool, würden sie nicht bei einem Namen genannt werden, den man heute einfach nicht mehr sagt. Zudem wird ein Zitat im Buch gebracht, bei dem ich nicht nachvollziehen kann, wie es so durch ein Lektorat bei Carlsen gehen konnte. Es geht nämlich um einen Schamanen, der „auch Arzt ist“. Ich verstehe nicht, wieso hier so eine Linie gezogen wird. Nur weil man die Traditionen seines Volkes folgt, kann man doch trotzdem einen Medizinabschluss haben.

  1. Plotholes

Puh ich weiß nicht, wo ich da anfangen soll. Von Anfang bis Ende ist dieses Buch voll mit Plotholes. Es beginnt bei der Flucht von den Hauptcharakteren aus dem Dorf bis hin zum Ende. Dieser Mini Widerstand kann in die großen und sehr gut bewachten Städte der neuen Ordnung einfach so reinfahren, niemand bemerkt sie, niemand schlägt Alarm oder wundert sich, wieso man diese Personen noch nie gesehen hat. Dann hacken sie sich easy in das System und keiner bemerkt es und sie können über 6 (!!!) Monate darin rumschnüffeln. Aber obwohl sie das können, schaffen sie es nicht Mila wiederzufinden, die von der neuen Ordnung verschleppt wurde. Dann tauchen plötzlich noch andere Hacker auf, die den Widerstand ganz einfach aufspüren können.

Header Fazit

Ich könnte noch viel mehr zu dem Buch erzählen, aber das waren für mich die 5 Gründe, weshalb mir das Buch absolut nicht gefallen hat. Mit knapp 14 hätte ich das Buch bestimmt gut gefunden, weil mir all die Plotholes und der fehlende Plot nichts ausgemacht hätte, aber jetzt mit 27 konnte ich nur den Kopf schütteln. Blue Sky Black ist ein Buch, das viel Potential gehabt hätte, wenn man es in mehreren Bänden geschrieben hätte. Ich glaube die Liebesgeschichte würde funktionieren, wenn sie, ähnlich wie bei Panem, innerhalb der Dystopie aufblühen kann. Genauso wie die NWO und die Rebellen. Das ist ein typischer und guter Plot, hätte man ihm mehr Aufmerksamkeit geschenkt. In ein Buch, das 381 Seiten hat, funktioniert so eine reichhaltige Geschichte einfach nicht.


Johanna Dannniger | Blue Sky Black

3.September 2020 | 384 Seiten

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