Rezensionen

Zeit des Sturms

Zeit des Sturms von Andrzej Sapkowski Rezension

Eine Geralt Kurzgeschichte von Andrzej Sapkowski

Der Hexer seufzte. Er hatte schon etliche Male die Wirkungen ungefährlicher Teleports in Augenschein nehmen können, […]. Daher wusste er,dass Erklärungen über die Sicherheit von Teleportationsportalen in dieselbe Schublade gehörten wie die Behauptung: Mein Hündchen beißt nicht, Mein Söhnchen ist ein guter Junge, Dieser Kartoffelsalat ist frisch, Das Geld gebe ich spätestens übermorgen zurück, Ich habe bei einer Freundin übernachtet, Mir liegt ausschließlich das Wohl des Vaterlands am Herzen, sowie Du brauchst nur auf ein paar Fragen zu antworten, und wir lassen dich sofort laufen

Andrzej Sapkowski – Zeit des Sturms, dtv Verlag.
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Während Geralt auf der Suche nach einem neuen Job ist, wird er in dem Königreich Kermack verhaftet. Um ihn zu zwingen, einen Auftrag anzunehmen, haben die Zauberer ihre Finger in diesem Konflikt mit dabei. Geralt wird von der Zauberin Koralle befreit und er nimmt den Job an, um einen Dämonen zu jagen.

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Mit Zeit des Sturms wird der 8. Band der Geralt Saga eingeläutet. Das Buch wurde 2013, 19 Jahre nach „das Erbe der Elfen“ veröffentlicht. Ich möchte vorab mitteilen, dass ich sehr gerne noch auf das Ende eingehen möchte. Daher gegen Ende noch ein kleiner Spoiler hierzu. Mit Zeit des Sturms haben wir chronologisch eine Geschichte kurz vor der ersten Geschichte aus der letzte Wunsch. Gegen Ende des Buches wird nämlich Geralt den Auftrag von annehmen, der in der letzte Wunsch vorkommt. Ihr könnt gerne noch einmal bei der Witcher Buchreihenfolge nachschauen, wenn ihr wissen wollt, wie welches Buch gelesen werden kann!

Die Geschichte beginnt mit einer üblichen Monsterjagd für die Geralt in Kermack beauftragt wird. Das Königreich ist ziemlich erschüttert. Die Söhne wollen König werden und der König spielt mit seiner Familie um die Nachfolgschaft, indem er sich immer eine neue junge Frau zur Königin sucht. Geralt gerät in dieser Stadt der Diebe und Räuber, in ein größeres Ränkespiel, als er sich vorstellen kann. Verhaftet, weil Geralt Geld veruntreut haben soll, droht ihm eine Gefängnisstrafe. Glücklicherweise ist, wer hätte es nicht anders erwartet, Rittersporn direkt zur Stelle, um ihm aus seiner Situation raus zu helfen. Es wird schnell klar, dass die Zauberin mit dem Namen Koralle etwas damit zu tun hat. Wenn das nicht genug wäre, wurden während seiner Verhaftung auch noch seine Hexerschwerter gestohlen.

<<Geralt von Riva […] Der Vernichter von Ungeheuern und übernatürlichen Wesen. Ein legendärer Vernichter, würde ich sagen. Wenn ich an Legenden glauben würde. Aber wo sind denn Eure berühmten Hexerschwerter? Irgendwie sehe ich keine>>. <<Kein Wundert<<, parierte Geralt, >>dass du die nicht siehst. Denn sie sind unsichtbar. Was denn, hast du die Legenden von den Hexerschwertern nicht gehört? Außenstehende können sie nicht sehen. Sie erscheinen, wenn ich einen Zauberspruch sage. Wenn es notwendig ist. Falls es notwendig ist. Denn ich kann auch ohne Schwerter recht gut vernichten>>.

Andrzej Sapkowski – Zeit des Sturms, dtv Verlag.

Die Geschichte ist diesmal keine Kurzgeschichte. Der Autor Andrzej Sapkowski schafft es aber ungefähr drei größere Abschnitte in dieses Buch zu packen. Im ersten Abschnitt ist Geralt in Kermack und muss über Koralle erfahren, warum er verhaftet wurde. Der Teil hat mir sehr gefallen, da hier wieder sehr witzige Stellen zu lesen sind. Einerseits die furzenden Wachfrauen, andererseits Rittersporn. Er ist eben Rittersporn. Dann ist da auch noch Koralle, die für Leser von Schwert der Vorsehung eventuell vom Namen bekannt sein darf. Natürlich lässt es Geralt sich nicht zweimal sagen, als sie ihm Avancen macht und die beiden eine Liebesbeziehung anfangen. Schließlich muss er sich ja nach der Trennung von Yennefer aus der Kurzgeschichte Eissplitter ablenken.

Aus dieser Geschichte erfährt er, dass die Zauberer in Rissberg seine Dienste benötigen und er von seiner Haftstrafe befreit ist, sollte er ihnen helfen. Dort angekommen muss er sich einem Dämon widmen. Dieser Teil war recht interessant, leider waren die Zauberer typische unsympatische Charaktere und auch die dämonische Gewalt war ziemlich widerwärtig und grausam.

Vor dir liegt die Straße zu deiner Vorherbestimmung. Vor mir ein ganz anderer Weg. Die Erzählung geht weiter, die Geschichte endet nie.

Andrzej Sapkowski – Zeit des Sturms, dtv Verlag.

Von dort führt es Geralt zur dritten Geschichte, in der er auf einer Slup, also einem Boot, den Fluss zurück nach Nowigrad mitfahren soll, um die Menschen darauf zu schützen. Er wird von ihnen angeheuert, da diese das Kind einer Aguara, einer Werfüchsin entführt haben. Geralt ist natürlich damit nicht einverstanden, doch die Aguara ist ihnen bereits auf den Fersen. Auch hier fand ich es sehr spannend geschrieben. Wir lernten einen interessanten Zwerg kennen, Geralt durfte wieder Menschen vermöbeln und auch die Aguara war ein spannendes Wesen, dessen Jagd auf die Truppe mir sehr gut gefallen hat.

Andrzej Sapkowski schafft es hier aber tatsächlich die guten Kurzgeschichten auf Romanlänge der Hexer Saga zu vergrößern. Es ist wieder alles drin, was eine Geralt Geschichte interessant macht. Leider war der Übergang von Abschnitt zwei und Abschnitt drei in Zeit des Sturms sehr frustrierend für mich, da hier so ziemlich ein Kapitel plötzlich beendet wurde, Geralt in seiner Handlung aufgehalten wurde und er nun einen sehr langen Marsch zurück zum Zielort auf sich nehmen musste. Die Geschichte in Zeit des Sturms basierte auf dem Sprichtwort „alles was schief gehen kann wird schief gehen“. So müssen wir uns dieser Frustration hingeben und das Pech, das Geralt in Zeit des Sturms erlebt, hinnehmen. Genau sowas fand ich wahnsinnig frustrierend, da ich mit dem Charakter stark mitempfinde. Dennoch ist es für mich kein Kritikpunkt des Buches. Es war eine Betrachtungsweise einer Geschichte und wer damit klarkommt, dem kann ich das Buch empfehlen.

Den Spoiler zum Ende müsst ihr hier einmal ausklappen
Zum Spoiler von Zeit des Sturms möchte ich hier eingehen. In dem Moment als Nimue im letzten Kapitel zu ihrem nächsten Reiseziel wandert, muss sie durch einen Wald. Dort wird sie von einem Monster überrascht. Wie durch einen Zufall wird Nimue von einem Hexer gerettet und der weißhaarige Mann erschlägt das Monster. Das Monster trägt wieder eine Chipnummer, wie die anderen Monster auf Rissberg. Gerade Geralt schien sich selbst die Aufgabe zu stellen, diese geflohenen Monster zu jagen. Der Hexer verhält sich freundlich, lacht und ist sehr hilfsbereit. Nimue ist felsenfest davon überzeugt, dass dies Geralt ist. Der Hexer weiß gar nicht welches Jahr es genau ist, doch auf die Frage nach dem Jahr, rechnet er aus, dass Geralt vor hundertundfünf Jahren gestorben ist. „Er ist vor hundertundfünf Jahren gestorben. Aber ich denke, er würde sich freuen, wenn…Er würde sich freuen, dass die Menschen sich nach diesen hundertundfünf Jahren seiner noch erinnern“. Es klingt fast als wäre ein alter Geralt dabei, sich an sich selbst zu erinnern. Oder aber wir haben hier einen emotionalen Hexer, der an eine alte Legende denkt, als kannte er sie oder als würde er sich freuen, als Geralt erkannt zu werden. Nimue bricht anschließend das Schweigen „Der Hexer Geralt ist nicht gestorben! Er ist nur fortgegangen, ins Land der Apfelbäume fortgegangen. Aber er wird zurückkehren…Er wird zurückkehren, denn das sagen die Legenden“. Das Land der Apfelbäume oder auf Englisch „The apple trees bloom eternal“ ist aus der Artussage: Avalon – die Insel wo König Artus ruht, bis zu diesem Tag wo er wieder aufersteht und England in schweren Zeiten verteidigt. Der Name Ynys Afallon heißt Insel der Äpfel. Es ist die Insel zu der Geralt gebracht wurde, als er starb. Vielleicht bot der Autor die Möglichkeit, einen Übergang zu den Spielen zu schaffen. Wenn dem so wäre, wäre es ein super Übergang, um Geralt wieder auferstehen zu lassen. Doch spielen die Witcher Spiele schon ca. fünf Jahre nach der Hexer Saga. Ob das nun Geralt ist oder ob Geralt nur in die Legenden einging, bleibt offen und Interpretation.
Header Fazit

Das Buch ist eine klassische Geralt Geschichte, die den Kurzgeschichten nahekommt, obwohl ich Zeit des Sturms wohl am schlechtesten der drei bewerten würde. Hier fehlte tatsächlich ein roter Faden. Die Übergänge waren verständlich, aber die Sprünge sorgten dafür, dass eine Geschichte nicht zu Ende erzählt wurde und wir uns bis zum Ende des Buches gedulden müssen. Außerdem wären einige Abschnitte ohne Rittersporn nicht so charmant und interessant zu lesen, da der Barde immer wieder den Witz dazu holt. Im dritten Abschnitt wird er dann von einem Zwerg abgelöst.

Häppchenweise erfahren wir dann auch teilweise die Vorgeschichte von Nimue, wie ihr Weg zur Zauberin ist. Bekannt ist sie bereits aus die Dame vom See. Gerade der Teil des Buches ist ein Fan Service der mir sehr gefallen hat, denn auch hier hat der Autor eine offene Interpretation hinterlassen. Final möchte ich aber zusammenfassen: All diese Kritikpunkte stören nicht, denn wenn man Lust auf eine Hexer Geschichte hat, ist Zeit des Sturms ein lesenswertes grandioses Buch. Gerade das Ende des Buches hat mein Vergnügen an das Buch enorm gesteigert.

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