High Tea

Langweilige deutsche Literatur

wie langweilige Bücher sich im Germanistik Studium wandeln können

„Das ist also des Pudels Kern!“

Nun wer Faust I kennt, kennt vielleicht auch dieses berühmte Zitat aus eben diesem Buch. Ich möchte euch aber nicht mit Zitaten totwerfen, sondern euch ein wenig erzählen, weshalb ich gemerkt habe, dass literarische Werke wie der Faust für mich richtig gute Bücher sind.

Fangen wir mal an dem Tag an, an dem mir das klar geworden ist. Und das ist wahrscheinlich reichlich spät, da ich bereits im Master studiere, dennoch habe ich auch schon im Bachelor einige Bücher, die ich bis dato nur aus „Gruselgeschichen der Schule“ kannte, gelesen und fand sie toll.

Als ich mein Studium damals gewählt habe, hätte ich niemals gedacht, dass ich mal so ein breites Spektrum an Literatur kennen und lesen werde. Beginnend im Mittelalter mit hoher Minne, Tageliedern und dem ein oder anderen Artus Roman hat sich mein Studium dann eher unsortiert über diverse Stationen gebracht. Und damit zum Tag X.

Tag X

Tag X war der Tag, an dem ich den Faust I das erste Mal in die Hand genommen hatte und mich schon fast zwingen musste ihn zu lesen. Nie habe ich Faust gelesen doch für ein Seminar war dies nun Pflicht und da ich die Dozentin wirklich cool finde und das Seminar unglaublich gut ist, wollte ich mich quälen. Setzte mich also mit meinem Bleistift bewaffnet an meinen Tisch und begann zu lesen. Und es überraschte mich wie verdammt gut das Stück geschrieben ist. All die Anspielungen, die Erzählung und letztendlich die gesamte Geschichte ist wirklich gutgeschrieben. Und dann habe ich mal die Bücher reflektiert, die ich in den nun 10 Semestern Uni gelesen habe und gemerkt, dass es davon tatsächlich kaum ein Buch gab, das mir nicht gefallen hat.

Dann habe ich mir die Frage gestellt warum?

Ich glaube zum Einen hat sich meine Sicht dadurch verändert, dass ich mich freiwillig mit den Stoffen beschäftige – dazu muss man jetzt nicht studieren, hauptsache man macht es aus völlig freien Stücken und beginnt es einfach zu genießen. Man sollte es auch genießen, denn es ist echt gute Literatur.

Zum Anderen glaube ich, dass die Diskussion in den Seminaren oder den Vorlesungen inkl. den Forschungstexten eine andere Ebene zum Buch gibt. Man beginnt auf einer völlig anderen Ebene über diese Bücher zu diskutieren und nicht einfach nur die Frage des „Warum hat der Autor das so und so geschrieben?“ oder „Was will er damit ausdrücken?“ sondern man versucht im Plenum dann – zumindest im Master – eher den Text auf einen bestimmten Aspekt des Seminars zu erarbeiten. Beim Faust war es, woher das Böse stammt und wer genau Böse ist. Und ich denke das macht letztendlich auch den Reiz aus.

Solche Klassiker sollte man definitiv mal zur Hand nehmen, wenn man sie denn mal lesen möchte. Bereuen wird man es denke ich nicht, solang es freiwillig ist. Egal ob fürs Studium, um seinen Horizont zu erweitern oder einfach, weil man es sowieso immer schon lesen wollte!

(4) Kommentare

  1. Mir geht es genauso. In der Schule gehörte ich zwar zu den Leuten, die die Bücher immer fristgerecht gelesen haben, aber ich habe mich meistens eher durchgequält. Einfach deshalb, weil es Pflicht war. Im Studium mag ich es auch gleich viel lieber, weil nicht jeder Satz über-interpretiert wird, sondern man eben diese bestimmten Schwerpunkte hat. Auch deshalb, weil man vielleicht nur 1-3 Stunden über jedes Buch spricht und nicht 20.
    Es kommt wirklich ganz auf die Umstände an und ich finde es schade, dass kaum jemand Schullektüren mag, obwohl die Bücher dafür schon Potenzial bieten würden.

    1. sagt:

      Da geb ich dir recht. Aber ich denke vor allem der Aspekt des Todinterpretierens ist in der Schule eine Sache, die abgeschafft werden müsste. Denn obwohl in den meisten Fällen viel Potential da wäre, wäre es besser, auch für Schüler, eine kurze und knackige Interpretation eines Buches zu haben, um sich dann in Klausuren oder ähnlichem einer Szene oder einem Teil zu widmen. Ich denke, dass das auch schon Schüler schaffen. Denn imnmerhin beginnt auch ein Studium genau damit und die meisten kommend ann frisch aus der Schule.

  2. Den Faust möchte ich auch noch mal lesen. Für den Deutsch Grundkurs auf dem Weg zum Abitur stand der bei uns nicht auf der Leseliste. Wir haben dafür ganz andere, für mich spannende und gute Bücher gelesen. Ich bin ein sehr Naturwissenschaftlicher Typ und so habe ich mich über Die Physiker von Dürrenmatt und Galileo Galilei von Brecht sehr gefreut. Die beiden Bücher dürfen auch heute noch ihr dasein in meinem ganz normalen Bücherregal fristen und sind nicht mit den Reclam Heften abgeschoben worden.

    Am Ende deines Beitrags musste ich gerade etwas über mich selbst schmunzeln. Ich habe deinen Beitrag angeklickt, weil ich gelesen habe: Von Hörbüchern zu Büchern ….“ Und habe irgendwie die ganze Zeit darauf gewartet, wie du jetzt von Hörbüchern auf gute Bücher gekommen bist. Am Ende habe ich dann nochmal hoch gescrollt und gelesen, was du wirklich als Überschrift verfasst hast. Ich sag nur, wer lesen kann ist klar im Vorteil. Mir hat dein Beitrag gut gefallen und ich werde mir den Faust mal vornehmen. Vielleicht finde ich ihn ja auch als Hörbuch.

    LG Kerstin

    1. sagt:

      Hallo,
      bei uns waren leider auch ganz andere Titel auf der Lektüreliste zum Abitur, aber viele davon haben mich im Studium dann nochmal heimgesucht xD Jedoch hab ich sie mittlerweile lieben gelernt.

      Vielen Dank für deine kleine Annekdote am Ende, die hat mich doch zum lachen gebracht! Das passiert mir SO oft.

      Liebe Grüße

      Andrea

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