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Nur noch ein einziges Mal | Colleen Hoover | Rezension

nur noch ein einziges mal foto buch

„Er ist schön. Sehr gepflegt. Männlich. Angezogen wie in einer Burberry-Werbung. Ein paar Jahre älter als ich. In seinen Augenwinkeln bilden sich kleine Lachfältchen, als ich an ihm vorbeigehe. Ich stütze mich auf die Brüstung, beuge mich vor und schaue auf die Autos hinunter, ohne mir anmerken zu lassen, wie gut er mir gefällt. Ein Mann, der so aussieht, ist natürlich daran gewöhnt dass Frauen von ihm beeindruckt sind, und ich habe keine Lust, sein Ego zu füttern.

Colleen Hoover – Nur noch ein einziges Mal, dtv, S.15

Lily zieht frisch nach Boston, um einen Neuanfang zu starten. An ihrem ersten Arbeitstag trifft sie auf Ryle, einen überaus attraktiven und erfolgreichen Mann. Ihr neues Leben kann erst richtig beginnen, die Vergangenheit vergessen werden. Doch dann taucht auf einmal die Verschwundene erste Liebe Atlas wieder auf und ein Eifersuchtskampf beginnt.

Ich habe jetzt wirklich lange gebraucht, um Worte zu finden, die dieses Buch beschreiben. Im Grunde ist es einfach nur gut. Ich kann diese Rezension, wie oben bereits beschrieben, nicht komplett Spoilerfrei halten, da ich sonst die ersten zwei Kapitel rezensieren müsste. Doch an den Stellen, an denen ich mich auf weitere Inhalte beziehen werde, werde ich zuvor warnen.

Ich habe in meinem Leben noch kein Colleen Hoover Buch gelesen und Ich habe in meinem Leben noch kein Colleen Hoover Buch gelesen und habe mich verliebt. Ganz ehrlich. Die Geschichte ist so unglaublich toll. Es wird aus der Sich von Lily erzählt. Die Erzählung wechselt durch Tagebucheinträge, in denen sie von ihrer erste Liebe Atlas berichtet und der Gegenwart. Diese Einträge erklären auch viele Ansichten und Ideen von Lily, damit man sie später im Buch besser nachvollziehen kann. Aber auch Atlas und Ryle sind zwei männliche Personen aus ihrer Vergangenheit bzw. ihrer Gegenwart, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Ryle ist ein Arzt, der hohe Ambitionen hat und Lily an einem Tag trifft, an dem sie nicht genau weiß, welche Emotionen zu ihrer aktuellen Lage passen und dann verlieren sie sich aus den Augen. Zu dem Zeitpunkt ist das Drama der ganzen Story eigentlich schon vorprogrammiert! Lily, die sich einerseits Hals über Kopf in Ryle verliebt und Atlas, deren Vergangenheit noch erklärt wird, taucht genau zu dem ungeeignetsten Zeitpunkt auf. Nur noch ein einziges Mal ist genau die Art von Drama, die wir von Colleen Hoover gewohnt sind.

„‘Ich bin in einer Kleinstadt in Maine aufgewachsen. Unser Grundstück grenzte nach hinten raus an ein anderes, auf dem ein verlassenes Haus stand. Irgendwann habe ich mitbekommen, dass sich dort ein Junge verkrochen hatte, der von zu Hause rausgeworfen worden war. Außer mir wusste niemand, dass er dort lebte. Ich habe Atlas – so hieß er – mit Essen und allem möglichen anderen versorgt und mich ein bisschen um ihn gekümmert. Bis mein Vater irgendwann dahintergekommen ist.“

Colleen Hoover – nur noch ein einziges Mal, S.15, dtv.

AB JETZT SPOILER ICH EIN WENIG ZUM VERLAUF DER GESCHICHTE

Ich mochte das Drama sehr. Ganz ehrlich. Ich habe die Geschichten mit Atlas geliebt, als Lily dann aber von der häuslichen Gewalt berichtetet kam für mich irgendwie der Verdacht auf, dass Ryle oder Atlas am Ende irgendetwas mit ihr machen wird. Es ließ mich nicht los bis zu dem Zeitpunkt, an dem Ryle dann ausgerastet ist. Und auch da dachte ich, naiv wie ich war, wie Lily. „Du kannst ihn doch nicht verlassen!“ Aber beim nächsten Mal wollte ich Lily packen und mit ihr abhauen. Wow. Das war ein Gefühlschaos ohnegleichen. Und als dann Atlas immer mal wieder in ihrem Leben auftauchte, aber nie ganz dablieb durch Eifersucht und Probleme. Ich war am Verzweifeln! Wirklich. Aber das Ende war dafür umso zuckersüßer ❤

Das gesamte Buch basiert auf dem Thema der häuslichen Gewalt. Im Nachwort wird erklärt, dass Colleen Hoover hier definitiv ihre eigenen Erfahrungen verarbeitet. Die Tagebucheinträge von Lily und die Gegenwart zeigen, wie ihre Vergangenheit sie einholt und der Kreis sich schließt. Denn auch damals war Gewalt an der Tagesordnung durch ihren Vater.

Normalerweise überlege ich bei Buchtiteln im Nachhinein nicht, wieso es so heißen könnte. Aber hier wird es mir glaub ich klar. „Nur noch ein einziges Mal“ finde ich, passt nicht so gut zu dem Thema, wie der Originaltitel „It ends with us“. Denn der englische Titel impliziert irgendwie das Ende des Buches. Nämlich, dass sie durch Atlas es schafft sich von Ryle und dadurch von der Gewalt zu lösen und ihr eigenes Leben glücklich zu Leben. „Nur noch ein einziges Mal“ klingt für mich nicht so griffig für das Thema. Klar, im Grunde ist es das letzte Mal gewesen, dass ihr solche Gewalt angetan wurde, aber „Es endet mit uns“ finde ich viel gelungener.

SPOILERFREI AB HIER!

Der Schreibstil ist locker und leicht, obwohl die Themen in dem Buch extrem schwer sind. Doch Colleen Hoover hat es geschafft mit diesen Themen gut umzugehen. Sie in ein Buch zu verpacken, in dem man jede Gefühlsregung und jedes Problem den Charakteren abnimmt. Jede einzelne Leugnung oder jedes einzelne Glück ist so realistisch, dass es schon fast gruselig ist. Die Charaktere wachsen einem so schnell ans Herz und Colleen Hoover schafft es leider auch, diese Liebe zu nehmen und vollends zu zerschmettern. Ein unglaubliches Buch um ein viel unglaublicheres Thema

Tolles Buch. Unglaubliches Thema. Fieser Umgang mit den Lesern!


Colleen Hoover | It ends with us

10. November 2017 | 416 Seiten

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Nur noch ein einziges Mal | Leseprobe

(4) Kommentare

  1. Liebe Drea,

    so habe ich mich auch gefühlt und hab mich danach zerschmettert am Boden wiedergefunden!
    So habe ich das Thema allerdings noch nie vorher betrachtet und habe mich sehr gefreut, dass mir so die Augen geöffnet wurden.
    Ein fantastischer Beitrag!

    Liebe Grüße
    Jill

    1. easypeasybooks16111992 sagt:

      Liebe Jill,

      das ist leider wahr und bis heute wandern meine Gedanken immer wieder zurück zu diesem Buch. Ich würde es einfach jedem, der mit solchen Darstellungen umgehen kann, empfehlen 🙂
      Vielen Dank!

      Liebe Grüße

      Andrea

  2. MarieRabbit sagt:

    Ich kann die schlechten Bewertungen irgendwie nachvollziehen und hätte das Buch fast nicht gekauft. Glück für mich, dass ich mich zum Kauf entschlossen habe.
    Was einige vllt außer acht gelassen haben: Ryle und Lilly hatten eine lange Phase, in der sie sich nicht komplett aufeinander eingelassen haben. Vllt fanden sie diese krasse Verliebtheit deshalb zu kitschig?
    Ja, die Tagebuchrückblicke waren teilweise langatmig, aber als 15-16jährige kommt man halt nicht so schnell auf den Punkt.
    Ich fand das Buch sehr berührend und wie Lilly letzten Endes mit ihrem Schicksal umging einfach nur mega stark. Solch eine starke Persönlichkeit! Sicherlich auch der eigentlich lieben Art von Ryle geschuldet, dass sie so eine Lösung finden konnte. Denn Menschen, die so handeln, haben nicht immer ein Problem mit ihren Gefühlen umzugehen, sondern können auch einfach nur Abgrundtief verbittert und böse sein (siehe ihr Vater).
    Ich fand es jedenfalls wunderschön, wie diese Story sich aufgelöst hat. Es ist immerhin ein Roman. Und nicht alles muss immer böse enden.

    1. Drea sagt:

      Hallo Marie,

      ich geb dir da vollkommen recht 🙂 Ich bin auch schon sehr gespannt, wie das Buch als Film umgesetzt wird.

      Liebe Grüße

      Andrea

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