Rezensionen

Animant Crumbs – Staubchronik

Animant Crumbs Staubchronik Lin Rina

Animant Crubgs – Staubchronik von Lin Rina

Animant Crumbs Staubchronik ist ein Buch, um das ich seit einiger Zeit rumgetigert bin und mir nie so ganz sicher war, ob ich es mitnehmen soll oder nicht. Dann kam die Frankfurter Buchmesse und ich habs eher aus einem Impuls mitgenommen und bin sehr froh darüber, denn mir hat das Buch wirklich gut gefallen. Mittlerweile habe ich mit einigen Menschen darüber gesprochen, die das Buch auch gelesen haben und es nicht so gut fanden. Aber jetzt erzähl ich euch mal, wieso ich das Buch gut finde.

„‚Miss Crumb‘, kam es überrascht aus seinem Mund, als wäre ich heute Nacht von fliegenden Piraten verschleppt worden und durch ein Wunder wieder hier vor die Tür der Bibliothek geraten. ‚Sie sind hier‘, fügte er hinzu und ich entschied, es zu handhaben, wie bei meiner Mutter und mich absichtlicht unwissend zu stellen.“

Lin Rina – Animant Crumbs Staubchronik, S.61, Drachenmondverlag.

1890 in London. In der höheren Gesellschaft sollen sich Frauen nicht den ganzen Tag mit Lesen beschäftigen, sondern mit Ausgehen und Tratschen. Doch Animant ist anders. Sie lebt in ihren Büchern und hat kein Interesse an der Gesellschaft, vor allem, weil ihre Mutter sie verheiraten will, obwohl Ani die Männer eher vergrault. Zumindest, bis sie nach London flüchtet und dort auf den mürrischen, aber anziehenden Bibliothekar Mr. Reed trifft. Ani will eigentlich nur beweisen, dass sie auch ohne ihre Eltern leben kann, doch dann kommt alles anders.

Ich weiß nicht, ob ich Lin Rina lieben oder hassen soll für dieses Buch. Es war dasjenige Buch, mit dem ich meine Readingchallenges dieses Jahr geschafft habe, gleichzeitig aber auch das Buch, dass mich in den letzten paar Monaten mitgenommen und beschäftigt hat.

Ich habe es im November begonnen und wollte zunächst an der Reading Challenge von Lin teilnehmen, aber schon nach den ersten Kapiteln wusste ich, dass ich mir viel mehr Zeit mit dem Buch lassen muss, um die Geschichte auf mich wirken zu lassen.

Die Figuren sind alle einzigartig und auf ihre Weise toll. Da gibt es natürlich Animant, der Hauptcharakter. Sie ist stur, trotzig und unglaublich intelligent. Eigentlich will ihre Mutter sie seit Jahren verheiraten, doch anstatt sich der Gesellschaft anzupassen, vergrault sie mit ihrer Intelligenz und Schlagfertigkeit jeden Mann im heiratsfähigen Alter. Als sie dann aus Trotz nach London geht, um dort in der Uni Bibliothek anzufangen, braucht sie ihren Ehrgeiz, Redegewandtheit und dicke Schale, um in der Männerdomäne klar zu kommen. Allen voran ist Mr. Reed – ihr Vorgesetzer – zunächst wenig begeistert von einer Frau in seiner Bibliothek. Doch Ani ist flink und hat in Null Komma nichts die Bibliothek geordnet, seine Unordnung aufgeräumt und sich einen Weg in sein Herz gebahnt.

„‚Animant, ich verehre Sie.‘ raunte er mir zu und das Gold in seinen Augen wurde flüssig.
Mir wurde es plötzlich zu viel. Zuerst Mr Reeds seltsames Auftauchen, dann die Beleidigung eines verstockten Professors und jetzt auch noch Mr Boyle, der mir viel zu nahe kam.“

Lin Rina, Animant Crumbs Staubchroniken, S.240, Drachenmondverlag.

Thomas Reed ist der weitere Hauptcharakter. Er ist der mürrische Bibliothekar, der Ani zunächst nicht in seiner Bibliothek haben will. Er hat vor ihr jede Menge Hilfen vergrault und rechnet zunächst nicht mit Anis schneller Aufnahmefähigkeit und ihrem Willen, allen etwas beweisen zu wollen. Und so gibt sie sich ihrem Vorgesetzten auch von vorn herein. Er bleibt zunächst mürrisch und geheimnisvoll. Doch wird er nach und nach weicher und lässt Ani auch immer mehr durchgehen. Bis zu dem Tag, an dem er sie vor Mr Boyle auf dem Ball rettet. Ab diesem Punkt verändert sich das Verhältnis der beiden ein wenig.

Elisa ist ein weiterer Charakter, der das ganze Buch interessant macht. Ani lernt sie auf ihrer ersten Soiree in London kennen. Elisa ist noch frecher und dreister als Animant. Sie vergrault die Männer mit ihrem Intellekt und ist eine der ersten Frauen, die studieren darf. Sie hat eine Gönnerin, die wiederum schrecklich ist und heimlich verliebt in Mr. Reed. Elisa und Ani freunden sich immer mehr an.

Ich fand das Buch wirklich toll, die Geschichte nimmt sich Zeit. Sie zeigt zunächst eine andere Seite Anis, damit der Leser später ihre Gefühle besser nachvollziehen kann. Die Geschichte rund um Mr Reed hält den Leser oft im Dunkeln oder in der Schwebe. Das muss man mögen. Ich fands klasse. Bis zum Ende war nicht klar, wohin es führt, finden die beiden sich oder bleiben sie mit ihren gebrochenen Herzen alleine?

Ich finde, dass das Buch eine sehr realistische Geschichte gezeichnet hat, denn in der Liebe ist es nicht immer einfach und das zeigt das Buch auch. Es zeigt aber auch kein Pärchen, dass Probleme hat, die mit einem einfachen Gespräch aus dem Weg geräumt werden, denn sie reden und streiten viel miteinander. Doch am Ende lösen sich die Konflikte oft eben durch diese Streitereien.

Dennoch gibt es ein paar Kritikpunkte, die mir nach ein paar Tagen Abstand zum Buch eingefallen sind, die mich während des Lesens gestört haben. Zum einen ist es die Maschine von Mr. Reed. Sie wird zwar kurz gezeigt, erklärt aber mir wird der Sinn dieser Maschine für die Geschichte nicht so klar. Animant wird von Mr Reed kurz daraus gerettet, aber das hätte man auch anders lösen können, ohne sich so etwas auszudenken. Und der Aspekt zwischen Christen und Juden wird zu kurz herausgearbeitet meiner Meinung nach. Die Verlobte von Anis Bruder Henry ist Jüdin, er ist Christ. Wieso dieses Problem überhaupt besteht und was sein Vater genau gegen Juden hat, wird nicht thematisiert. Hätte ich mein Hintergrundwissen aus dem Studium nicht, glaube ich, wäre es hier schwierig den Konflikt zu verstehen.

Ein tolles und spannendes Buch, für das man sich aber Zeit nehmen muss.

Lin Rina | Animant Crumbs Staubchronik

20. November 2017 | 550 Seiten

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