Rezensionen

Interview | Tom Davids

Interview mit Tom Davids

Heute habe ich ein Interview mit dem Autor Tom Davis mit euch. Er hat den Thriller „Folterknecht“ geschrieben, der gestern herausgekommen ist. Worum es in seinem Buch geht, wie er auf die Idee gekommen ist und alles rund um seinen Prozess zum Schreiben liest du hier.

Wie bist du auf die Idee gekommen?

Die Grundidee, einen Thriller über einen Killer zu schreiben, der sich mittelalterlicher Foltermethoden bedient, kam mir bei einer Städtereise nach Prag. In der Nähe der Karlsbrücke sind wir zufällig an einem Museum über mittelalterliche Folter vorbeigelaufen und haben uns dann spontan entschieden, uns das mal anzuschauen. Da mich Geschichte schon immer fasziniert hat, und das Thema wirklich brutal und grausam ist, hat der Besuch in diesem Museum bei mir irgendwie die Idee erweckt, dass man daraus einen sehr spannenden Thriller machen könnte.

Warum spielt dein Thriller in Deutschland und nicht bspw. In Amerika?

Zum einen glaube ich, dass man besser über Orte schreiben kann, die man auch wirklich kennt. Zum anderen ist es finde ich auch einfacher, weil man sich als Autor besser in die Figuren reinversetzen kann. Am Ende ist Bamberg auch eine tolle Stadt mit schönen Sehenswürdigkeiten, die man als guten Rahmen verwenden kann.

Da ich generell ein recht heimatverbundener Mensch bin, habe ich ehrlich gesagt nie groß darüber nachgedacht, dieses Buch außerhalb von Franken spielen zu lassen 😉 Ein weiterer Vorteil war, dass ich zwei Polizistinnen als Beta-Leser hatte, um die Handlungen der Kommissare so realistisch wie möglich zu gestalten. Das wäre mir in Amerika nicht möglich gewesen.

Wie schwer war es für dich, deine Charaktere zu entwickeln?

Ich habe mir angewöhnt, vor dem Schreiben einen Lebenslauf zu den Hauptcharakteren zu schreiben, um die Figuren kennenzulernen. So haben sich die Charaktere schrittweise zu ihrer finalen Form entwickelt. Wichtig dabei finde ich, dass man möglichst schnell ein klares Bild im Kopf hat. Dann entwickelt sich eine gewisse Eigendynamik, und die Charaktere werden im eigenen Kopf immer klarer und lebendiger.

Erzähl uns doch einmal von deinen Figuren. Was macht sie so besonders?

Die Hauptfigur ist Hauptkommissar Michael Schäfer, der sein Team engagiert, klug und führungsstark leitet, stets den Kopf für sein Team hinhält. Außerhalb der Arbeit ist er aber ein trauriger, einsamer Einzelgänger, der die Abgründe seines neusten Falls instinktiv erahnt und den Fall eigentlich nicht übernehmen möchte. Mit der sensiblen Julia Kersten und dem raubeinigen Hünen Rainer Götz bildet er ein eingespieltes Team, das von Andreas Weber komplettiert wird, der ihnen für diesen Fall aus einer anderen Abteilung zur Seite gestellt wird, um die Kollegen mit seiner Kompetenz bei Internetrecherchen zu unterstützen.

Hast du eine Lieblingsszene?

Ja, aber die würde zu viel spoilern 😉

Generell gefällt mir gerade das letzte Drittel des Buchs am besten, in dem mehrere Ereignisse zusammenkommen und die Geschichte durch zahlreiche Cliffhanger bei den parallelen Ermittlungen so richtig Tempo und Fahrt aufnimmt.

Hast du einen Charakter, der sich besonders gut schreiben lässt und einen, der nie so wirklich will?

Ich versuche mich in die Charaktere hineinzuversetzen, ein Bild vor Augen zu haben, das über das Aussehen hinausgeht. Wie verhalten sie sich? Wie wirken sie? Was ist ihnen wichtig? …

Kommissar Schäfer zum Beispiel hat eine Hintergrundgeschichte, die ihn bei dem Fall begleitet, so dass es mir relativ leichtgefallen ist, einen durchgängigen und hoffentlich für den Leser spannenden Charakter zu gestalten.

Julia Kersten ist mir etwas schwerer gefallen, da es für mich als männlichem Autor etwas schwerer ist, sich in weibliche Figuren hineinzuversetzen. Da hilft mir auch das Feedback von Beta-Lesern, wie nachvollziehbar die Charaktere gelungen sind.

Ist dir beim Schreiben etwas schwerer oder leichter gefallen?

Es ist mein erster Krimi / Thriller, so dass es mir am schwersten gefallen ist, die richtige Balance zwischen wirkungsvollen Effekten, Tempo, Spannung auf der einen Seite, und realistischen Handlungen der Kommissare auf der anderen Seite zu finden. Ich hatte zum Beispiel eine Lieblingsszene, bei der die Kommissare einem Verdächtigen schonungslos die blutigen Bilder vom Tatort auf den Tisch geknallt haben, um seine Reaktion zu lesen. Man kennt solche Szenen aus dem Fernsehen und hat das irgendwie im Kopf, kann dabei natürlich die Reaktionen schön darstellen usw. Hier hat dann eine meiner Beta-Leser-Polizistinnen mich darauf hingewiesen, dass ein Kripo-Kommissar das niemals tun würde, da die Bilder zu viel Täterwissen offenbaren, durch das sich der Täter im Verlauf des Verhörs verraten könnte. Das sind Aspekte, die man als Laie erstmal nicht auf dem Schirm hat und sich im Zusammenspiel mit Expertenreviews erarbeiten muss.

Was inspiriert dich beim Schreiben?

Meistens inspirieren mich Erlebnisse, die ich im Alltag habe. Unter meinem zweiten Pseudonym Jonas Philipps schreibe ich ja humorvolle deftige Unterhaltungsromane, die oft in Grundzügen auf meinen eigenen Erlebnissen als Amateurfußballer oder Sänger einer Heavy Metal Band basieren und die ich dann in eine größere fiktive Geschichte einflechte. Bei „Folterknecht“ war es eben das Museum, das den ersten Funken entzündet hat. Manchmal ist es auch nur eine Kleinigkeit, die man im Radio aufgeschnappt hat. Dann beginnt die Idee im Kopf zu arbeiten, und ich liebe es, daraus eine Handlung zu entwickeln, da das der kreativste Teil beim Schreiben ist.

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