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Too late | Rezension

Too late Rezension von Colleen Hoover

Wenn ich Geld hätte, mir ein Zimmer im Studentenheim zu nehmen, wäre ich sofort weg. Aber ich besitze keinen Cent, weshalb ich noch ein weiteres Höllenjahr hier durchstehen muss, bis ich meinen Abschluss habe und endlich eigenes Geld verdienen kann.

Nur noch ein Jahr. Dann bin ich frei.

Collen Hoover – Too late, S.10, dtv bold (Sloan).
header inhalt

Sloan ist in ihrer persönlichen Hölle: sie ist mit dem Drogenboss Asa zusammen. Wäre nicht Sloans Bruder, den Asa finanziell unterstützt, hätte Sloan ihn bereits verlassen. Wiederum ist Sloan das Beste, was Asa hätte passieren können. Er ist von ihr besessen und möchte sie nicht verlieren.

Als dann der Undercover-Cop Carter auf den Plan tritt, wird Sloans Welt vollkommen auf den Kopf gestellt.

header meinung

Triggerwarnung für das Buch (weils der Verlag nicht getan hat…): Solltet ihr dieses Buch lesen wollen, seid euch bewusst, dass dieses Buch extreme Sprache verwendet, ebenso wie Vergewaltigung in der Beziehung und viele weitere Gewaltthemen anspricht und anschaulich darstellt!

Too late von Colleen Hoover ist mal wieder ein Buch, das mich eiskalt erwischt hat. Der Klappentext verrät mal wieder kaum etwas über den Inhalt des Buchs. Das kann positiv oder negativ sein – ich fand es in diesem Fall eher negativ, denn ich finde schon, dass man als Leser zumindest die Chance haben sollte zu wissen, worauf man sich einlässt.

Ich massiere meine Hände, die ich unwillkürlich zu Fäusten geballt hatte, und versuche mir nicht anmerken zu lassen, wie sehr ich ihn verabscheue. Obwohl ich ihn erst seit drei Stunden kenne, weiß ich jetztschon, dass ich noch nie in meinem Leben einen Menschen getroffen habe, den ich vom allersten Moment an so abstoßend fand.

Collen Hoover – Too late, S.29, dtv bold (Carter).

Sloan ist eigentlich ein ziemlich cooler Hauptcharakter. Sie ist selbstbestimmt und weiß genau, was sie will. Sie studiert, um ihren kranken Bruder irgendwann aus dem Heim zu holen und bei sich zu pflegen. Doch solange muss sie es mit ihrem Freund Asa aushalten, der sie im Laufe ihrer Beziehung völlig von sich abhängig gemacht hat. Sloan bekommt nur Geld von ihm, sie darf niemanden angucken und keine Widerworte geben. Sie spielt immer wieder mit dem Gedanken, dort abzuhauen, doch dann würde ihr Bruder aus dem Heim geschmissen. Es wird immer wieder betont, dass sie ihn nicht mehr liebt, aber nicht weiß, wie sie hier rauskommt.

Asa hingegen scheint Sloan wirklich zu lieben, obwohl er Liebe vermutlich mit Besessenheit verwechselt. Denn das, was er ihr antut hat nichts mit Liebe im herkömmlichen Sinne zu tun. Er betrügt sie, hört nicht auf sie und spielt all ihre Probleme und Ängste runter. Er weiß ganz genau, dass er sie von sich abhängig gemacht hat. Seine Gedanken haben immer wieder verstörend auf mich gewirkt und relativ schnell war für mich klar, dass ich ihn als Charakter einfach nur widerlich finde. Für ihn sind Frauen, inklusive seiner Freundin, Objekte, die er sich nehmen kann, wann und wie er möchte. Er denkt aber natürlich immer wieder, dass sie nur auf ihn warten. Im Laufe der Geschichte wird seine Vergangenheit und Kindheit beleuchtet, um Asas Charakter noch einmal zu vertiefen. Es ergibt schon irgendwie Sinn, weshalb seine Ansichten so sind, wie oben beschrieben. Aber sympathisch ist er dadurch nicht.

Ich schiebe die Kleine von mir runter, springe auf, bücke mich nach meiner Jeans und ziehe sie hastig an. Das Mädchen kneit immer noch auf dem Bett und schaut zwischen der Tür und mir hin und her. Ich hebe ihre Klamotten vom Boden auf, werfe sie in den Wandschrank und gebe ihr wortlos ein Zeichen, sich darin zu verstecken.

Collen Hoover – Too late, S.37, dtv bold (Asa).

Carter hingegen ist ein sehr sympathischer Charakter. Er ist Undercover Cop und wird bei Asa eingeschleust. Sein Vorgesetzter ist bereits länger in Asas Gang und hat schon einiges an Vorarbeit geleistet. Doch Carter gefährdet die ganze Operation, indem er sich in Sloan verliebt und sie sich in ihn. Zunächst wirkt es alles wie ein Strohhalm, den sie greift, doch es wird doch klar, dass sie sich wirklich in ihn verliebt und er sich in sie. Carter ist im ganzen Buch hin und hergerissen zwischen seiner Pflicht als Polizist, Asa auffliegen zu lassen und seiner Liebe zu Sloan. Und genau diese Mischung bringt ihn dazu den fatalsten Fehler zu begehen.

Colleen Hoover schafft es in Too late mal wieder Abgründe aufzuzeigen, die ich so noch nie gesehen habe. Ich habe gemeinsam mit Sloan gelitten und mit Carter Wutausbrüche erlebt. So gerne hätte ich Asa gegen die Wand geschlagen, weil ich ihn einfach nur so widerlich fand. Aber das spricht natürlich auch für sich. Ein Charakter, den man so sehr hasst zu schreiben, zeigt, wie gut Colleen Hoover einfach schreiben kann. Die Geschichte war durchgehend unglaublich spannend und ich hing an den Seiten, um ja keinen Twist zu verpassen.

Leider muss ich sagen, hat mir das Ende dann aber doch einiges kaputt gemacht. Es gibt nur einen Epilog, sondern noch den Epilog vom Epilog und den hätte man sich definitiv sparen können. Der war irgendwie eine Schippe zu viel. Der war mir zu unlogisch, zu unrealistisch und einfach nur noch einmal zu grausam irgendwie.

Header Fazit

Too late von Collen Hoover hat mich völlig begeistert, auch wenn ich durch die doch sehr vulgäre und brutale Sprache zunächst etwas geschockt war.

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