Rezensionen

Sonne und Beton

Felix Lobrecht Sonne und Beton

von Felix Lobrecht

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Lukas wächst in einer der Problemsiedlungen in Berlin auf. Er und seine Freunde wollen eigentlich nur abhängen und ihr Leben genießen. Ohne Schule oder Pflichten. Doch Geld brauchen sie auch. Also entscheiden sie sich für einen Einbruch, doch der hat schwerere Folgen, als die Freunde zunächst denken.

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Eigentlich bin ich ein großer Fan von Felix Lobrecht und konnte mir daher nicht entgehen lassen, auch sein Buch zu hören, da er es selbst eingesprochen hat. Schon als er es im Podcast erwähnt hatte, wusste ich, dass ich es hören und nicht lesen muss.

Ich wusste nicht genau, was ich erwarten soll. Eine Art Autobiographie in Form einer Erzählung? Einfach ein Jugendbuch? Wenn ja mit oder ohne lehrreichen Inhalt? Am Ende hab‘ ich das Gefühl, dass ich all das irgendwie bekommen habe.

Der Protagonist ist Lukas, der mit seinem Vater alleine in Berlin wohnt. Sein Vater kommt kaum vor, ist oft arbeiten und hat seine Freundin, mit der Lukas eher schlecht als recht klarkommt. Er findet sie okay, hat keine Abneigung gegen sie, doch irgendwie nervt sie ihn. Völlig normale Reaktion eines Jugendlichen würde ich behaupten. Lukas scheint selbst auch ein wenig unsicher zu sein, weiß nicht genau, wo er hingehört. Er weiß, dass er den sehr selbstbewussten jungen Mann spielen muss, vor allem in Situationen, in der er es eben nicht ist. Denn wenn er das kleinste Fünkchen Schwäche zeigen würde, wäre er auf der Straße verloren. Gemeinsam mit seinen Freunden markiert er sowieso den Starken. Im Grunde möchte Lukas einfach nur mit seinen Freunden abhängen, aber er kommt aus Neukölln, ein Viertel, bei dem Jugendliche früh lernen, eher wie Erwachsene zu sein, weil sie es müssen.

Julius ist ebenfalls deutscher in einer Wohngegend in Berlin, die von Ausländern dominiert wird. Auch er versucht mehr seinen Schein eines coolen Jungen aufrecht zu halten, als es wirklich zu sein. Aber Julius hat trotzdem weniger Angst vor Konsequenzen und fühlt sich viel sicherer in seinem Handeln. Er ist ein typischer Jugendlicher, der alles besser zu wissen scheint. Als Leser klatscht man sich da gerne mal gegen die Stirn bei seinen Entscheidungen, weil sie oft schlecht sind. Er ist sehr impulsiv und handelt leider auch genauso. Deshalb bekommt Lukas direkt am Anfang einen auf die Nase. Denn er markiert den Starken, ist es aber nicht und das wissen diejenigen ihm gegenüber.

Gino hat mir als Charakter sehr gut gefallen, aber leider war er relativ schnell weg vom Fenster. Er wird ab ungefähr der Mitte der Geschichte nur noch am Rande erwähnt, was am Ende auch Sinn ergibt. Ich mochte Gino, weil er ein cooler Junge war. Seine Art, sein Handeln und vor allem hat er als Deeskalation zwischen Julius und Lukas gewirkt.

Ein weiterer Junge wird noch in die Gruppe eingeführt, der Gino später ersetzt. Sanchez lebt direkt neben Lukas und wird zu einem ziemlich guten Freund. Mit Sanchez beginnt die Abwärtsspirale der Jungs. Er will sich Geld dazu verdienen, hatte zuvor Gras vertickt, hat darauf aber keine Lust mehr. Also kommt er auf die Idee, Computer aus der Schule zu klauen. Damit ist das Geld aber nicht aufgetrieben. Wo sollen sie die danach verkaufen? Zumal die Schule schnell die Polizei darauf ansetzt, denn Jugendliche bleiben Jugendliche und checken erst zu spät, dass die Computer womöglich markiert sind. Da beginnt dann das richtige Problem, aus dem die drei Jungs irgendwie wieder rauskommen müssen.

Mir hat das Buch gut gefallen. Ich habe aber gemerkt, dass ich fast zu alt für solch eine Art Buch bin. Mich hat der Slang mit „Dings“ irgendwann extrem genervt und auch die ein oder andere Handlung von den Jungs lies mich des Öfteren die Hände über den Kopf zusammenschlagen. Trotzdem fand ich die Geschichte gut. Sie ist ein Schlaglicht auf eine ganze Generation von Jungs und Mädels, die in solch einem Millieu aufwachsen. Felix Lobrecht zeigt aber in Sonne und Beton auch die Moral, dass eben genau das, was die Jungs machen, nicht gut ist und zu unglaublichen Probleme führen kann.

Außerdem bilde ich mir ein, den ein oder anderen autobiographischen Bezug zu Felix Lobrechts Leben zu finden. Denn wenn man die Podcasts und Interviews kennt, dann weiß man schon ein paar kleine Geschichten, die mir doch bekannt vorkamen. Ebenso wie die Figuren, die mir inspiriert von seinen Freunden schienen.

Gut gefallen hat mir auch der Moralkompass von Lukas, der in den meisten Situationen direkt angesprungen ist und ihn ab und an vor dem Schlimmsten bewahrt hat. Er war ein sehr sympathischer Hauptcharakter, dem man eigentlich nur wünscht, dass er von seiner schiefen Laufbahn abkommt, denn er ist klug und kann es eigentlich besser. Mit Lukas wurde richtig deutlich, wie stressig Gruppenzwang bei Jugendlichen eigentlich werden kann. Vor allem, wenn man das meiste parallel noch vor der Familie verheimlichen muss.

Ich empfehle euch aber das Buch definitiv zu hören. Denn Felix bringt die Sprache der Jungs einfach super rüber. Obwohl es am Anfang echt schwierig war ihm zu folgen, weil ich immer auf die Pointe gewartet habe. Was vermutlich mit dem Podcast einher geht. Aber das Buch ist recht fix durchgehört. Kurzlebig, aber trotzdem gut. Nur war das Ende einfach nur fies! Ob es einen zweiten Teil geben wird, ist nicht klar, aber ich schätze mal nicht. Das Buch hat ein sehr offenes Ende, aber noch einmal in die Geschichte einzutauchen, könnte auch langweilig sein.

Einen Film soll es auch bald geben.

Header Fazit

Sonne und Beton ist ein kurzweiliger Text, der ein Schlagschatten auf die Jugendlichen von Berlin ist. Mir hat das Buch gut gefallen. Für alle Fan von Felix Lobrecht definitiv ein Muss!

Felix Lobrecht | Sonne und Beton

10. März 2017 | 224 Seiten

(3) Kommentare

  1. sagt:

    Huhu,

    das Buch klingt schon mal sehr interessant. Ich mag Bücher, die wichtige gesellschaftliche Probleme thematisieren und dabei noch gut geschrieben sind. Leider hab ich Moment so viele Bücher loiegen, dass ich gerade nicht mehr weiß, was ich zuerst lesen soll. Sozusagen ein Luxusproblem. Danke für die ausführliche Rezension.

    Viele Grüße
    Jay von „Bücher wie Sterne“

    1. Drea sagt:

      Hallo,

      oh ja, das Problem kenne ich zu gut! Ich hab dazu auch noch einen E-Reader, der leider auch gefüllt ist mit zuviel Lesestoff. Aber das Buch kann ja uf die vielleicht Liste rutschen 🙂

      Liebe Grüße

      Andrea

      1. sagt:

        Ja, mal sehen, wie ich das alles auf die Reihe bekomme.

        Liebe Grüße
        Jay

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