Rezensionen

One of us is lying

One of us is lying von Karen McManus

von Karen McManus

One of us is lying von Kathrin McManus ist eigentlich ein Buch, bei dem ich bis zum Ende gehofft habe, dass es gut sein kann. Aber Jenny von Whoisthatnerd und Ally von Büchermädchen hatten mich bereits zuvor gewarnt, dass das Buch nicht das ist, was es verspricht.

VORSICHT es sind zu 100% Spoiler zum Ende und zur gesamten Handlung vorhanden

„Ein Sex-Tape. Eine mögliche, ungewollte Schwangerschaft. Zwei Fremdgeh-Skandale. Und das ist bloß der Post von dieser Woche. Wenn jemand sein gesamtes Wissen über die Bayview High ausschließlich aus der von Simon Kelleher entwickelten und regelmäßig mit Updates gefütterten Gossip-App beziehen würde, müsste er sich fragen, ob irgendeiner der Schüler überhaupt noch Zeit hat, am Unterricht teilzunehmen.“

Karen McManus – One of us is lying, Bronwyns Sicht, S.9, cbj.

Fünf Schüler muss gemeinsam nachsitzen, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Doch jeder der Schüler hat Geheimnisse, die nicht herauskommen dürfen, sonst wäre ihr Leben versaut. Als dann einer der fünf plötzlich stirbt, geht das Katz- und Mausspiel los. Wer war es?

Simon wollte in seiner GossipApp einen Beitrag veröffentlichen, der die übrigen vier Personen bloßgestellt hätte.

Zunächst hatte mir One of us is lying gut gefallen. Alleine schon die Aufmachung vom Text war mal was anderes. Es gab keine großen Überschriften zwischen den Kapiteln, die Figuren wurden immer an der Seite angezeigt und wurden nur durch einen kleinen Absatz getrennt. Die Kapitel waren aus Figurensicht, sodass man als Leser immer weiter war als die Figuren und so konnte der Leser auch einiges besser nachvollziehen.

Aber Karen McManus hat die Figuren leider sehr stereotypisch aufgezogen:

Simon ist derjenige Junge, der nicht wirklich cool ist, aber auch kein Looser. Er möchte dazu gehören mit allen Mitteln und entwickelt deshalb diese Gossipapp, in der er jeden entblößen kann, wenn er möchte. Damit haben aber alle Angst vor ihm statt ihn zu mögen.

„Mein Blick fällt auf zwei weiße Hängeschränke, die mit dicken roten Buchstaben beschriftet sind. Auf dem einen steht DEFIBRILLATOR, auf dem anderen ADRENALIN-PENS. Ich stürze zum zweiten und reißen ihn auf.

Er ist leer.“

Karen McManus -One of us is lying, Coopers Sicht, S.23, cbj.

Nate ist der typische coole Junge aus dem Ghetto, der eine kaputte Familie hat und eigentlich kein Bock auf die Schule. Er saß schon mal im Knast und vertickt natürlich immer noch Drogen. Und natürlich verknallt sich die Superschülerin aus bestem Hause in ihn: Browny. Die aber wiederum über Leichen gehen würde, um ihren Durchschnitt für Yale zu halten, was sie auch bereits getan hatte.

Der Baseballspieler Cooper, der von seinem Vater sein Leben lang gefördert und zu diesem Sport regelrecht gezwungen wurde, ist – natürlich, denn das fehlt hier noch – schwul.

Als letztes gibt es noch Addy, die beliebt ist, das perfekte Mädchen und Homecoming-Queen und diejenige, die ihren Freund betrogen hat.

Als Simon dann gestorben war und die Figuren sich immer mal wieder getroffen haben, sich gegenseitig verdächtigten und diese Verdächtigungen auch wieder haben fallen lassen, hat sich das Buch dann aber doch gezogen. Sie wurden immer wieder von der Polizei verhört und von den Mitschülern verurteilt. Als die Protagonisten gemerkt haben, dass die Polizei nur noch schlampig arbeitet, übernehmen sie die Ermittlungen und versuchen dann erst heraus zu finden, was genau passiert ist. Erst dann kommen sie auf die Idee mal wegen des Unfalls am Anfang nachzuforschen, mal zu schauen, was genau passiert ist und kommen dann ganz plötzlich auf die Lösung, die unglaublich unbefriedigend ist: Selbstmord.

„Simon hält seinen Becher hoch und verzieht das Gesicht. ‚Schmeckt total widerlich.‘ Er lässt ihn mit einer dramatischen Geste fallen und ich verdrehe die Augen. Selbst als Simon zu Boden sackt, glaube ich immer noch, dass er das Ganze bloß spielt. Bis er zu röcheln anfängt.“

Karen McManus – One of us is lying, Coopers Sicht, S.20, cbj.

So ein Schwachsinn! Wieso wird dann One of us is lying so aufgezogen, so spannend gemacht, wenn es das Ende ein Selbstmord war und dann auch noch „One of us is lying“ heißt? Ich kann das Motiv von Simon schon nachvollziehen, dennoch find ich die Auflösung nicht gut. Ich hätte mir wirklich einen Mord gewünscht wegen der App und einfach einen tollen Jugendbuchkrimi.

Auch der Freund von Simon hat so ungläubig gewirkt, so überrascht, dass für mich die Auflösung am Ende eher hingerotzt und nicht durchdacht wirkt. Da er ja Simon geholfen hat und auch nachweißlich über den Betrug seiner Freundin wusste. Keiner kann mir sagen, dass ein Jugendlicher mit 17 Jahren dann WOCHENLANG so gut schauspielern kann und es ihr nicht zeigt und beim Platzen der Bombe SO überrascht ist.

One of us is lying von Karen McMansu ist kein Krimi, wie es der Klappentext suggeriert. Leider zieht sich das Buch auch sehr und das Ende ist unglaublich unbefriedigend.

Leider kenne ich keine weiteren Karen McManus Bücher, weshalb ich nicht beurteilen kann, ob sie immer solche Stereotypen verwendet und die Geschichte am Ende zu einem unbefriedigenden Punkt bringt. Aber ich werde wohl auch keine weiteren von ihr lesen.

One of us is lying | Karen McManus

26.02.2018 | 448 Seiten

(4) Comments

  1. Huhu Andrea,

    das ist die erste Rezension von dir, bei der ich nur das Fazit gelesen habe *füge das Affensmiley mit den Händen vor den Augen ein *.

    das Buch liegt bei mir noch aufm SUB, aber ich will mich nicht komplett spoilern lassen. Da ich es selbst gekauft habe, werde ich es noch lesen, komme, was wolle, auch wenns nicht so prall ist.

    Liebe Grüße
    Tina

    1. Hallo Tina,
      das kann ich verstehen 🙂 Ich hab damals auch von so vielen Seiten gehört, dass es nicht so gut sein soll und hab mich dann letztendlich auch selbst überzeugt. Immerhin hatte ich es zum Geburtstag bekommen und solche Bücher mag ich dann auch ungern aussortieren, nur weil andere meinen, es sei nicht gut. Manchmal hat man Glück und man wird positiv überrascht, manchmal wird man bestätigt.
      Aber du musst mich da auf jeden Fall auf dem laufenden halten, wie es dir gefallen hat <3

      Liebe Grüße
      Andrea

  2. Ich habe das Buch schon gelesen und muss sagen, mir hat es gut gefallen, auch wenn ich die Auflösung dann doch früh geahnt habe. Aber ich mochte es, weil es halt mal was anderes ist und das thema so selten in Jugendbücher aufgegriffen wird. Klar, die Figuren sind erstmal wandelnde Stereotypen, aber ich mochte ebenfall die Schreibweise und auch das moderne Element von McManus. Ich denke das ist am Ende dann einfach Geschmackssache, ob es einem gefällt und man mit der Handlung klarkommt.

    1. Hallo Nicole,

      ja das denke ich am Ende auch. Grundsätzlich stimmt es, dass das Thema echt wenig aufgegriffen wird und das fand ich auch gar nicht schlimm. mir hat die Aufmachung der Geschichte einfach nicht gefallen. Aber ich finds gut, dass das nicht alle so sehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.