Rezensionen

Neon Birds

Marie Grasshoff Neon Birds

von Marie Grasshoff

„‘Das…das hier ist normal, oder?‘ Es brauchte eine Weile, bis Luke erkannte, auf welchen der vielen Bildschirme der Junge deutete. Er blinzelte einige Male, bevor er das Bild mit seinen noch immer müden Augen anvisierte.“

Neon Birds – Marie Grasshoff, S.15, Bastei Lübbe.
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2101: Ein technischer Virus ist außer Kontrolle und verwandelt die Menschen in hyperfunktionale Cyborgs, die der künstlichen Intelligenz KAMI gehorchen. Sie werden in Sperrzonen eingesperrt, beobachtet und von Supersoldaten bekämpft. Doch dann kommt es zu einer Katastrophe und vier junge Erwachsene beginnen hinter die Fassade von KAMI und den Soldaten zu kommen und zu forschen, was genau passiert.

header meinung

Ich hatte an Neon Birds wirklich große Erwartungen. Die Blogger schwärmten davon, Marie hat zuvor so unglaublich groß die Werbetrommel gerührt mit ihren tollen Storytimes bei Instagram, die Wallpaper und dann auch noch die unglaublich schönen Illustrationen der Charaktere. Dazu der spannende Klappentext. Aber ihr wisst, mit großen Erwartungen fällt man leider sehr oft ganz tief. ABER so nicht hier: Denn das Buch hat meine Erwartungen mehr als erfüllt.

Der Einstieg war rasant und spannend. Die Figuren werden nicht im größten Detail eingeführt, sondern man wird als Leser direkt mit Luke und der gesamten Welt konfrontiert. Marie setzt unglaublich viel voraus, was im Laufe der Zeit erklärt wird. Man wird also als Leser in eine sehr futuristische Welt geworfen, die durch Cyberlinks und krassen Sci-Fi Elementen besteht. Das hat mich absolut nicht gestört, sondern immer neugieriger auf diese Welt gemacht. Und Lukes Job ist es, die Moja, die mutierten Robotermenschen zu beobachten und zu schauen, ob es Anomalien gibt. Denn ein Virus geht in der Welt um, der Menschen in solche Roboterwesen verwandelt. Die werden eingeschlossen und bewacht, um sie zu studieren und Waffen gegen sie zu entwickeln. Das Hauptziel vermutlich: ein Heilmittel finden. Spannend an der Sache ist aber, dass der Virus sich immer weiterentwickelt und die Wesen immer resistenter gegen die Waffen der Menschen werden. Relativ am Anfang kommt es zu einer Katastrophe und als Leser erkennt man direkt, wie wahnsinnig gefährlich diese Dinger sind.

„Weitere Mojas tauchten am Nordtor auf, sammelten sich und schauten mit ausdruckslosen Gesichtern zum Zugang ihrer Sperrzone. ‚Scheiße‘, stieß Luke aus und sprang auf, als die Wesen ebenfalls am West- und Osttor Stellung bezogen […]

Neon Birds – Marie Grasshoff, S.16, Bastei Lübbe.

Mir hat es hier unglaublich gut gefallen, dass direkt am Anfang das Problem, um das es erst einmal gehen wird, so actionreich eingeführt wurde. Nach und nach wurden dann die verschiedenen Charaktere eingeführt, die alle unglaublich einzigartig sind. Luke arbeitet beim Militär und überwacht vor Ort die Moja. Er macht dort sein Studium und ist der Mitbewohner von Flover, der auch sein bester Freund ist. Luke ist eigentlich ein relativ gebrochener Charakter, weil er durch ein traumatisches Erlebnis versucht, sein Leben umzugestalten. Es wird aber relativ schnell klar, weshalb er genau diesen Job beim Militär macht.

Flover musste an die Militärakademie, weil seine Mutter eine der wichtigsten Personen der Welt ist und sie sehr hohe Erwartungen an ihn hat, die er aber in ihren Augen offenbar nicht erfüllen kann. Doch er ist bei der KAGE Einheit und schafft es Okijen für einen Einsatz zu rekrutieren, weil er einfach nicht loslässt, obwohl Okijen absolut keine Lust mehr auf seinen Job hat.

„‘Colonal Okijen Van Dire? Hier spricht Captain Flover Nakamura, KAGE-Agent 19’ Flover musste sich zusammenreißen, die Genervtheit in seinr Stimme zu unterdrücken. Godwin wusste, dass er einer der besten Agenten der Einheit war. Sich jetzt mit Okijen herumschlagen zu müssen, war ein schlechter Scherz, und mit jeder Minute war seine Laune weiter abgesunken.‘

Neon Birds – Marie Grasshoff, S.31, Bastei Lübbe.

Apropos Okijen…er ist definitiv mein Lieblingscharakter. Ich mag seine Art und seine Ansichten sehr gerne. Er hilft widerwillig Flover und seiner Einheit einen Aufstand niederzuschlagen und das alles am Ende eigentlich nur, weil er sieht, wie Andra sich gegen die Moja mit ihrem Bogen entgegenstellt. Er nimmt sie bei sich auf und zeigt ihr seine Welt. Das fand ich unglaublich süß und zeigt einfach sein liebevolles Gemüt.

Andra hingegen ist eine wirklich tragische Figur. Sie wohnt mit ihrer Familie und ihrem Stamm am Rande solch einer Moja Auffangstation, bei der die Roboterwesen leider ausbrechen und eine Tragödie passiert, weshalb sie zu Okijen in die Stadt ziehen muss. Dort versucht sie sich mit Okijens Hilfe zur orientieren und mit all den neuen Eindrücken klar zu kommen.

‚Kämpft da eine Frau mir Pfeil und Bogen gegen die Dinger? Wie ist das möglich?‘

‚Hm‘ machte der General. ‚Wenn Sie sich beeilen, Colonel, lebt sie vielleicht lang genug, dass Sie sie danach fragen können.‘

Neon Birds – Marie Grasshoff, S.45, Bastei Lübbe.

Mir haben die verschiedenen Storylines zwischen den Charakteren wirklich gut gefallen. Einige laufen mal aufeinander zu und gehen wieder auseinander. Doch man bekommt so viel Hintergrundwissen zu den Charakteren und sie machen schon hier teilweise kleine, aber auch große Entwicklungen durch. Die einen Figuren öffnen sich dem Leser, andere bleiben erst einmal verschlossen. Doch bei der Fülle an Charakteren ist das auch völlig in Ordnung und macht nur Lust auf mehr. Die Perspektiven der Figuren wechseln demnach zwar auch immer mal wieder, aber niemals so sehr, dass das schnell nervt, sondern dass die Cuts auch immer sehr gut passen.


Man merkt einfach, wie viel Liebe und Gedanken in diese Reihe geflossen ist. Allein die Idee, das Worldbuilding und auch die Charaktere sind alle so passend in dieser Welt und nichts fällt da irgendwie raus. Der Schreibstil ist fließend und die Geschichte hatte bisher keine Plotholes oder ähnliches. Nur der ein oder andere Plottwist war für mich dann doch vorhersehbar, aber ich habe das Buch trotzdem sehr gerne gelesen.

Header Fazit

Insgesamt ein toller Auftakt für die gesamte Trilogie. Rasant, spannend erzählt und die Figuren sind einfach nur richtig cool!

Marie Grasshoff | Neon Birds

27.11.2019 | 463 Seiten

Die Reihenfolge der Neon-Birds Reihe

(1) Neon Birds

(2) Cyber Trips (erscheint 27.03.2020)

(3) Beta Hearts (erscheint 28.07.2020)

(3) Kommentare

  1. sagt:

    Hallo Andrea,

    danke für die interessante Rezension. Das Buch klingt für mich sehr spannend. Was mich allerdings wirklich etwas abschreckt, ist die Tatsache, dass es (mal wieder) eine Trilogie ist. Inzwischen bin ich wirklich froh um jeden eigenständigen Roman, weil ich keine Lust habe immer wieder Monate auf die nächste Fortsetzung zu warten, bei der ich dann die Hälfte der Geschichte schon wieder vergessen habe.

    Viele Grüße
    Jay von „Bücher wie Sterne“

    1. Drea sagt:

      Hallo Jay,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Ich kann das völlig verstehen, weil ich das auch immer schwierig finde. Bei einigen Büchern warte ich momentan auch oft, bis alle Bücher raus sind, damit ich sie in einem Schwupps lesen kann 🙂

      Liebe Grüße

      Andrea

      1. sagt:

        Hallo Andrea,
        ich mache das dann oft so, dass ich Bücher auf Englisch lese, wenn es die schon gibt. Dann brauche ich nicht auf die deutsche Übersetzung zu warten.

        Liebe Grüße
        Jay

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