Rezensionen

Das inoffizielle Harry Potter Kochbuch

Das inoffizielle Harry Potter Kochbuch

Ich dachte mir, immer nur Bücher rezensieren ist ja langweilig, deshalb gibt es von mir heute eine Rezension zu einem Kochbuch und zwar keinem gewöhnlichem, sondern dem Inoffiziellen Harry Potter Kochbuch.

Harry Potter gehört einfach zu unserer Generation. Wir sind alle damit aufgewachsen und lieben die Filme und Bücher noch heute. Zahlreiche re-reads, jeden ersten September denken wir an den Beginn eines neuen Schuljahres und immer wieder zeigen wir Housepride. Da ist doch ein Kochbuch, das sich um das Universum dreht einfach das richtige, um noch viel tiefer in die Welt der Zauberei einzutauchen! Damals gab es zum ersten Film immer Bertie Botts Bohnen. Einfach einer der besten Kindheitserinnerungen! Und wir wollten doch damals (und heute) wissen, wie all die Süßigkeiten von Harry Potter schmecken, oder?

Ich hatte große Erwartungen an das Kochbuch, da ich ein ähnliches bereits von den Gilmore Girls habe und dort sehr verliebt in die Aufmachung und die Aufteilung war. Leider hat mich das Buch von vorne bis hinten enttäuscht. Alleine schon die Aufmachung war leider gar nicht ansprechend. Das Buch kam an und das Cover ist völlig in Ordnung. Aber als ich einmal durchgeblättert habe, musste ich enttäuscht feststellen, dass dieses Kochbuch gar keine Bilder hat. Und das finde ich sehr schade, denn ein Kochbuch lebt vom Visuellen. Wie soll ich denn Lust aufbringen, etwas zu backen oder zu kochen, wenn ich gar nicht weiß, worauf?

Das inoffizielle Harry Potter Kochbuch Inhalt

Die Rezepte decken so ziemlich 150 Rezepte ab, die irgendwie im Buch und Film gesehen, erwähnt oder gegessen werden. Natürlich ohne Zauberzutaten! Doch damit kam auch schon das zweite Problem: Ich wollte mir Rezepte raussuchen, um diese natürlich auszuprobieren, aber leider ist das Buch wohl aus dem Amerikanischen oder Englischen übersetzt und so kommt es hier zu sehr krummen Gramm/Milliliter Angaben, ebenso wie zu Zutaten, mit denen man in Deutschland – soweit ich weiß – eher nicht so backt. Zum Beispiel verlangen die Rezepte oft nach Natron oder Weinstein. Natron war mir ein Begriff, Weinstein aber leider gar nicht, dabei backe ich schon sehr viel. Beides bekommt man aber im gut sortierten Supermarkt.

Leider war ich, als ich mir die Rezepte raussuchen wollte, auch etwas verwirrt, weil mir das Buch ohne Bilder und richtigem Layout unglaublich chaotisch vorkam. Es ist alles Schwarz/Weiß und winzig geschrieben. Die Rezepte heißen alle ganz normal so wie „Schoko-Buttermilch-Kuchen“ oder einfach „Schokopudding“. Da hätte ich mir kreativere Namen gewünscht, die etwas mit Zauberei, Tränke und spannenden Zutaten zu tun haben. Ebenso wie Informationen zu den jeweiligen Gerichten. Es gibt eine farbige Infografik, bei der man eigentlich vermuten würde, dass hier Informationen stehen würden, wann dieses Gericht im Harry Potter Universum mal vorkam. Leider steht da die Entstehungsgeschichte des Gerichts in unserer Welt. Also wie das Gericht ursprünglich entstanden ist. Die Info zu Harry Potter gibt’s in einem Mini Abschnitt unter dem Titel des Gerichts. Dieser fällt zunächst leider nicht ins Auge. Dennoch muss man hier der Autorin Dinah Buchholz zu Gute halten, dass sie die Seiten und Bücher, in denen die Rezepte vorkommen gut recherchiert hat. Denn sie schreibt oft, wo ungefähr das Rezept vorkommt. Denn das ist es dann auch.

Das inoffizielle Harry Potter Kochbuch Kekse

Wenn man dann aber mal durchschaut, fällt schnell auf, dass die Gerichte durcheinander gewürfelt sind. Sie sind aufgeteilt nach Orten, wie die Winkelgasse, aber darunter ist es eben buntgemischt, sodass erst etwas Süßes, dann etwas herzhaftes kommt. Außerdem werden bei den Zutaten Dinge aufgezählt, die man noch vorher selbst herstellen muss, die man dann einfach mal auf Seite 20 findet, aber das Rezept steht z.B. auf Seite 10. Da hätte ich mir gewünscht, dass man hier einfach noch ein „Basis“ Kapitel einfügt, welches es bei Kochbüchern immer mal wiedergibt, damit man nicht immer wieder kreuz und quer blättern muss.

Das inoffizielle Harry Potter Kochbuch Felsenkeks
Eine Abwandlung der Felsenkekse

Ich habe mich dann nur an zwei Kekse gewagt, weil ich super vieles mit Fleisch oder Soßen war, die ich nicht vertrage oder mag – da kann das Kochbuch aber natürlich nichts für. Die britische Küche ist schließlich auch sehr fleischlastig. Für Vegetarier gibt es viele Kuchen, Kleingebäck und ähnliches. Für Veganer ist das inoffizielle Kochbuch wahrscheinlich eine Enttäuschung. Ich habe mir das ein oder andere Rezept mal durchgelesen und das Problem ist, dass ich sehr viele Übersetzungsfehler gefunden habe, wie z.B., dass das Blech im Backofen umgedreht werden muss. Ebenso fehlen mir essenzielle Infos, wie zum Beispiel ob Cremes für Kekse im Kühlschrank gelagert werden sollte. Bei den Vanillekeksen habe ich es am Ende so gelöst, dass ich die Creme separat im Kühlschrank lagere und die immer auf die Kekse getan habe, wenn ich einen essen wollte, sonst wird der Keks weich und kalt. Und das schmeckt ja nicht.

Das inoffizielle Harry Potter Kochbuch Vanillekeks
Vanillekeks

Bei der Zubereitung der Kekse gingen die Infos und waren in Ordnung. Bei den Doppelkeksen war es am Ende nur schwierig die Creme herzustellen. Denn im Rezept sollte man am Anfang Butter und Puderzucker in einem Verhältnis von 120g zu 115g Aufschlagen, was super funktioniert hat. Die Creme sollte in einem Verhältnis von 120 g Puderzucker auf 60g Butter gehen, was natürlich absolut nicht funktioniert hat, weil die Butter einfach viel zu wenig für den ganzen Puderzucker war. So musste ich improvisieren und habe schlussendlich auch noch Butter geschmolzen, damit der Puderzucker sich besser und schneller vermengt. Außerdem war mir bei den normalen Keksen nicht klar, ob ich die – wie normale American Cookies – in einer Kugel aus Backblech legen muss und die zerlaufen dann, oder bereits plattdrücken muss. Die Angabe fehlt. Ich habe sie dann einfach plattgedrückt, aber wenn ich Anfängerin wäre, hätte mich das schon verunsichert. Aber die Kekse schmecken sehr gut! Obwohl mir beide zu Süß sind, aber auch das ist natürlich Geschmackssache.

Header Fazit

Insgesamt finde ich, dass das inoffizielle Harry Potter Kochbuch am Konzept Kochbuch vorbei geschliffen ist. Die Aufteilung ist völlig chaotisch und man hat das Gefühl, dass hier zwar sehr viel und mit Begeisterung einige Harry Potter Foren durchforscht wurden, um Rezepte zu bekommen, die irgendwann mal in dem Universum vorgekommen sind. Mir fehlen nur leider die positiven Seiten, die ein Kochbuch ausmachen, wie die Liebe und die Bilder im Buch. Ich kann mich nur wiederholen: ein Kochbuch lebt vom Visuellen und Ansprechenden. Außerdem dafür 20€ zu nehmen, finde ich schon fast unverschämt. Außerdem findet man ganz hinten im Buch auch noch ein Verzeichnis, woher die Rezepte offensichtlich stammen. Also ein Literaturverzeichnis von Rezepten und Co. Ich habe am Ende das Gefühl, dass die Rezepte nicht einmal durchgekocht wurden, um zu schauen oder zu verfeinern. Schade, weil ich solche Kochbücher eigentlich immer toll finde.

Kann ich es empfehlen? Ja, aber höchstens für diejenigen, die bereits ein Bild vor Augen haben oder irgendwie in das Universum eintauchen möchte. Definitiv eher für Fans, die sich auch schon in er britischen Küche auskennen. Wer die Rezepte nachbacken möchte, sollte sich bereits ein wenig mit Kochen, Backen und Tränke brauen auskennen 😊

(8) Kommentare

  1. sagt:

    Hallo Andrea,
    offenbar ist das Buch nur Geldmacherei, weil Harry Potter drauf steht. Wenn man Rezepte aus der englischen Küche möchte, gibt es sicherlich bessere Bücher mit ansprechenden Fotos. Die sind, wie du schon sagst, sehr wichtig. Schade, wenn ein Kochbuch nur halbherzig umgesetzt wird.

    LG
    Jay von „Bücher wie Sterne“

    1. Drea sagt:

      Hallo Jay,

      das sehe ich leider genauso und bin noch immer sehr enttäuscht von dem Buch.

      Liebe Grüße

  2. sagt:

    Liebe Andrea,

    so schade, wirklich. Das Buch kam nicht vom Carlsenverlag, richtig? Wahrscheinlich hätten die das anders illustriert oder überhaupt illustriert.
    Für mich ist das Buch dann quasi am Thema vorbei, denn hier gehts ja nicht nur ums Kochen, sondern um ein zauberhaftes Erlebnis.

    Liebe Grüße
    Tina

    1. Drea sagt:

      Hallo Tina,
      nee das Buch kam von riva, deshalb hab ich mir auch schon fast gedacht, dass das vielleicht nicht so mega gut ist. Aber Fotos innerhalb eines Harry Potter angehauchten Setups hätten ja völlig gereicht. Und für mich ist es auch eindeutig am Thema vorbei, was sehr schade war.

      Liebe Grüße

      Andrea

  3. sagt:

    Huhu,
    das ist ja mal ärgerlich! Leider ist es ja mittlerweile oft so, dass manche versuchen mit bekannten Namen Geld zu machen und sich dann noch nicht einmal Mühe geben. So ein Kochbuch zu schreiben ist nicht einfach und sollte als Autor immer bedenken, dass nicht jeder genug Kenntnisse hat um sich gewisse Schritte zu denken. Und man sollte die Rezepte schon nach Themenbereichen sortieren(Vorspeise usw).
    Das umrechnen von den Angaben kenne ich aus anderen Bücher und da ärgert es schon, wenn ich australische Rezepte nachbacken möchte und mal wieder überlegen muss was denn nun eine Tasse ist. Je nach Rezept ist es aber vollkommen egal, wie genau man abmisst und deshalb wiege ich meistens auch nur sehr grob ab.
    Ich benutz sehr gerne Weinstein/Natron zum Backen, dafür benutz ich aber keine Hefe.
    LG

    1. Drea sagt:

      Hey 🙂

      mir war Weinstein leider einfach kein Begriff, hab aber auch schon von mehreren Ecken gehört, dass das wohl doch bekannter ist, als ich dachte. Ansonsten sitmme ich dir vollkomme zu. Eine Freundin von mir ist von dem BUch sehr begeistert, weil es ihr eher um die englische Küche ging. Aber ich schätze, da hätte sie auch ein günstigeres Kochbuch bekommen können 🙂

      Liebe Grüße

      Andrea

  4. Ich habe das Buch auch und kann deine Enttäuschung absolut nachvollziehen. Ein Kochbuch ohne Fotos ist ein absolutesNo-Go, dann diese teilweise seitenlangen Anleitungen. Unmöglich. Ich habe bisher nur Hagrids Steinkekse und Schnitzel ausprobiert, aber letzteres ohne Rezept 😂

    Es ist einfach lieblos, ich kann nicht mal sagen „gestaltet“, sondern einfach ausgedruckt und zwischen zwei Buchdeckel gepresst.

    Liebe Grüße

    Sabrina

    1. Drea sagt:

      Hallo Sabrina,

      ja das ist leider wahr :(. Bei mir auf den Fotos sind die Steinkekse, aber irgendwie doch abgewandelt und nur im Grundrezept, da ich zB gegen Rosinen allergisch bin. Yay. Aber die Vanille Doppelkekse sind wirklich sehr lecker 🙂

      Liebe Grüße
      Andrea

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