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Die Spur der Bücher | Rezension

Die Spur der Bücher von Kai Meyer

Sie wünschte sich den Geruch der Geschichten zurück, die Behaglichkeit der engen Buchläden ihrer Kindheit. Das Gefühl der Einbände unter ihren Fingerspitzen, wenn sie an den Regalreihen vorüberstrich. Die Gewissheit, dass ein einziger Griff genügte, um in eine andere, eine sichere Welt zu entfliehen.

Kai Meyer – Die Spur der Bücher, Fischer, S.9.
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Mercy ist mit der Magie der Bücher, der sogenannten Bibliomantik, aufgewachsen und streift ihr Leben lang schon durch Buchläden und Antiquariate. Seitdem ihr Ziehvater gestorben ist, hält sie sich mit Aufträgen anderer Bibliomanten über Wasser. Sie klaut seltene Bücher und liefert diese aus. Doch als sie eines Tages mit ihren Freunden einen Job annimmt, wird dieser zu ihrem Verhängnis.

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Die Spur der Bücher ist ein Prequel zu Die Seiten der Welt. Man muss die Trilogie nicht kennen, um dieses hier zu lesen. Ich fands ganz gut, dass ich die vorherigen Bände kenne, denn es gibt immer wieder Rückbezüge zu Familiengeschichten oder Autoren, die ich nicht so gut verständen hätte, würde ich die Seiten der Welt nicht kennen.

In der gesamten Seiten der Welt Welt geht es um Menschen, die die Gabe haben mithilfe ihres Seelenbuches zu zaubern. Das Seelenbuch ist ein Buch, das sich den Besitzer aussucht. Hat es das einmal getan, sind beide so eng miteinander verbunden, dass es schmerzhaft ist, wenn der Bibliomant sein Buch verliert. Die Bibliomantik kann man mit einer Zaubergabe vergleichen, die der Besitzer immer einsetzen kann. Doch dadurch hat dieser auch eine ganz andere Beziehung zu Büchern als diejenigen Menschen, die diese Gabe nicht haben.

Die Spur der Bücher ist eher eine Detektivgeschichte, mit der ich ehrlich gesagt so nicht gerechnet hatte. Der Beginn ist sehr einprägsam, da die Hauptfigur Mercy gemeinsam mit ihrer Diebesbande ein Buch stehlen soll, was jedoch extrem aus dem Ruder läuft und sie letztendlich ein Mitglied verlieren und sich daraufhin trennen. Mercy gibt hiermit erst einmal durch die Schuldgefühle ihre Bibliomantik auf und begnügt sich damit, sich mit dem Stehlen und Verkauf von wertvollen Büchern über Wasser zu halten.

Veterator, im Volksmund Besserwisser, stand da geschrieben, gefolgt von einer Art Pflegeanleitung. […] ‚Nun gut‘, sagte sie. ‚Ich kann dich also alles fragen, was ich wissen möchte.‘

‚Das will ich meinen‘

‚Und du spuckst mir dann eine Seite mit entsprechenden Informationen vor die Füße.‘

‚ich würde es niemals spucken nennen, Mylady. Bereitstellen wäre zu bevorzugen, gerne auch anreichern. Außerdem bin ich natürlich in der Lage, Ihnen das Gewünschte mündlich mitzuteilen. Gelehrte Vorträge gehören zur Wesensart eines Veterators.‘

Kai Meyer – Die Spur der Bücher, Fischer, S.80

Aber für immer kann sie sich nicht von der Bibliomantik und ihren ehemaligen Freunden Tempest und Philander fernhalten, denn der Plot entwickelt sich durch eine Mordserie schnell zu einer Detektivgeschichte, in die Mercy und ihre Freunde verwickelt sind.

Es gibt mehrere Handlungsstränge, die parallel verlaufen und später sehr gut ineinanderfließen. Hier findet man auch typische detektivgeschichtliche Elemente wie die chinesische Mafia, geheimnisvolle Fremde und viele Menschen, die eigentlich nur ihre Intrige spielen, aber Mercy eigentlich gar nicht helfen möchten.

Ich mochte Mercy als Hauptcharakter sehr gerne. Sie ist zwar zunächst ein gebrochenes und einsamen Mädchen, weil sie nicht nur ihre erste große Liebe verloren hat, sondern gleichzeitig keinen Kontakt mehr zu ihren Freunden hat. Die Schuld, dass sie am Tod ihres Freundes ist, frisst sie zusätzlich auf. Ihr Vater lebt nicht mehr und so versucht sie sich alleine durchzuschlagen, was zwar erst einmal funktioniert, aber nicht auf Dauer sein kann. Das merkt sie auch ganz schnell und blüht richtig auf, als ihre beiden besten Freunde gemeinsam mit ihr auf Spurensuche gehen, obwohl die Zusammenführung der Freunde nicht ganz so einfach ist. Immerhin steht viel zwischen ihnen, doch alle wissen, sie haben keine andere Wahl. So entwickelt sich auch eine schöne Geschichte rund um Freundschaft und Verzeihen.

„Cecil Court war eine schmale Gasse am Rand von Soho, nur wenige hundert Yards nördlich des Trafalgar Square. Sie vedrlief schnurgerade von West nach Ost, die Fassaden waren schmal, manche beugten sich bedenklich vornüber. In nahezu jedem Haus befand sich eine Buchhandlung, […]

Kai Meyer – Die Spur der Bücher, Fischer, S.92

Wenn man die Seiten der Welt schon kennt, sind dem Leser bereits einige Elemente der Bibliomantik bekannt. Neben den Sprungbüchern, durch die ein Bibliomant reisen kann, kommen auch wieder die Origami Vögel vor, die einfach in den Bibliotheken leben und dort rumfliegen. Oft sind diese auch voller Zauberei. Dennoch gibt es neben den schon bekannten Elementen auch neue, die sich Kai Meyer hier ausgedacht hat. Zum Beispiel ist es so, dass man bisher immer nur dachte, dass nur die ausgewählten Bibliomanten mit ihrem Seelenbuch zaubern können. Doch es gibt auch Menschen, bei denen die Gabe zwar vorhanden, aber nie ausgebrochen ist. Diese tragen etwas Bibliomantik in sich und können mit Hilfe von Groschenromanen diese anwenden.

Die Geschichte geht schnell voran und die Sprache ist etwas anders als in der Haupttrilogie. Sie wurde dem viktorianischen Zeitalter angepasst. Etwas derber, etwas direkter, aber dennoch leicht poetisch angehaucht, macht es einfach nur Spaß in die Geschichte einzutauchen. Der übliche Kai Meyer Humor ist natürlich auch mit dabei!

Header Fazit

Auch wenn die Spur der Bücher der Beginn des Prequels ist, möchte ich die Welt der Bibliomantik mit dem nächsten Band nicht verlassen und würde mir noch viel mehr solcher kleinen Geschichten wünschen. Die Spur der Bücher ist ein spannender Auftakt einer Detektivgeschichte, die mit Mercy als Hauptcharakter richtig toll ist!


Kai Meyer | Die Spur der Bücher

24. August 2017 | 448 Seiten


Die gesamte Seiten der Welt Reihe

(1) Die Seiten der Welt

(2) Die Seiten der Welt: Nachtland

(3) Die Seiten der Welt: Blutbuch

(4) Die Spur der Bücher

(5) Der Pakt der Bücher

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