Rezensionen

Die Seiten der Welt Nachtland | Rezension

Rezension Die Seiten der Welt Nachtland

Ihre sommersprossige Haut duftete nach Papier und Buchbinderleim, ihr langes blondes Haar nach Druckerschwärze. Sie hatte diesen Geruch geliebt, seit sie ein Kind gewesen war, aufgewachsen in Salons und Sälen voller Bücher. Man hätte meinen können, sie hätte den Duft ihrer Umgebung angenommen. Stattdessen aber ging er von ihrem Körper aus, so als wäre sie selbst zu einem Buch geworden.

Kai Meyer – Die Seiten der Welt Nachtland, Fischer, S.7.

Bitte beachte, dass das der zweite Band ist und ihr hier nicht weiterlesen solltet, wenn ihr den ersten Band noch lesen wollt und euch nicht spoilern wollt 😊

header inhalt

Furia und ihre Freunde leisten immer noch gegen die Akademie Widerstand. Diesmal wollen sie versuchen in das Herz der Akademie einzudringen: In das Sanktuarium, von dem aus die drei mächtigen Häuser über die bibliomantische Welt herrscht. Um die Welt von den Häusern zu befreien, begeben sie sich auf die gefährliche Suche nach dem Sanktuarium und stoßen auf die größten Geheimnisse der Bibliomantik.

header meinung

Die Seiten der Welt Nachtland ist der zweite Band der Seiten der Welt Reihe und steht dem ersten Band in nichts nach. Es geht nicht direkt da weiter, wo der erste Band aufgehört hat, sondern mit einem kleinen Zeitsprung. Die Exlibri, Isis, Cat und alle anderen, die in dem geheimen Waldrefugium gewohnt haben, wohnen jetzt bei Furia und Pipp in der Villa und beleben diese wieder. Dort ist somit auch der neue geheime Standort des Widerstands.

Nachtland beginnt dann auch sehr rasant. Der Widerstand sucht die Karte des Sanktuariums, um in das Herzen der Akademie zu gelangen und diese genau dort zu stürzen. Das Problem: Diese Karte besitzt nur ein Bibliomantik in ganz Libropolis und um dort Zugang zu bekommen, musste Finnian Undercover gehen. Leider war das am Ende ein Falle und so passiert hier direkt einer der größten Konflikte, der auch das Buch über dauern wird. Den mag ich an dieser Stelle allerdings nicht verraten, weil ich diese Rezension spoilerfrei halten möchte.

„Wartet!“, befahl Isis und hob eine Hand. „Das hier ist -“
„Eine Falle?“ Furia beendete den Satz mit der Selbstverständlichkeit einer passionierten Leserin, die diesen Ausspruch aus hundert Büchern kannte.

Kai Meyer – Die Seiten der Welt 2: Nachtland, Fischer, S.53.

Dadurch wurden die Erzählperspektiven aufgeteilt und das hat mich immer mal wieder verwirrt. Cat und Furia, Summerbell und Finnian bilden zwei unterschiedliche Perspektiven. Kurz darauf kommt noch die einzelne Perspektive von Isis dazu und eine der Familie Himmel, die zu den großen Familien der Akademie gehören. An sich für solch eine Geschichte erst einmal sehr viele Perspektiven, zumal sie alle parallel laufen und keine sich zunächst überkreuzt. Doch irgendwann kommt man damit ganz gut klar und es wird verständlich, wohin die jeweilige Perspektive läuft.

Wieder einmal hat mich die Welt unglaublich fasziniert. Ich find es unglaublich toll, wie Kai Meyer es schafft, die Welt der Bibliomantik in die Seiten der Welt: Nachtland noch einmal zu vertiefen und zu zeigen, was noch alles möglich ist. Auch die Refugien, in denen die Exlibri leben, stehen im Fokus. Als Leser lernt man vieles über deren Entstehung und das hat mich teilweise echt geschockt. Wieso und weshalb diese „Ghettos“ überhaupt aufgemacht wurden, fand ich gleichzeitig interessant, aber auch etwas verstörend. Doch Kai Meyer kommt mit noch viel mehr Ideen um die Ecke, wie Tintlinge, Buchegel, Bookboards und abhängig machende Bücher. Am coolsten fand ich die Bookboards, weil es im Grunde eine Art Skateboard ist, das mit bibliomantischer Kraft fährt. Schon ziemlich cool.

Sie stürzte durch die Leere zwischen den Seiten der Welt, und bald wurde Furia klar, dass es zu lange dauerte.

Die ersten Sekunden waren stets die schlimmsten, ganz gleich, ob sie einen Sprung innerhalb der normalen Welt vollzog oder ein Tor zwischenRefugien öffnete. Tore kosteten mehr Kraft als Sprünge, und am Ende der Reise durften nur Orte liegen, an denen der Bibliomant sich schon einmal aufgehalten hatte. […] Doch ob nun Sprung oder Tor – beide gemein war ein Sturz durch dei Seiten der Welt, durch ein bibliomantisches Nirgendwo wie das VAkuum zwischen den Sternen.

Kai Meyer – Die Seiten der Welt 2: Nachtland, Fischer, S.94.

Die Charakterentwicklung ist stetig mit dabei. Die Figuren zeigen noch mehr Schwächen, aber auch Stärken und ihre Beziehungen vertiefen sich. Was mir gut gefallen hat, war, dass der Fokus hier nicht nur auf den Charakteren wie Furia, Finnian und Cat lagen, sondern auch Furias kleiner Bruder Pipp, der mit dem Widerstand zurück im Haus und damit im Safespace bleibt, bekommt seine Auftritte und zeigt, wie er sich wandelt. Zu Pipp stoßen noch zwei neue Charaktere, die mal wieder sehr liebevoll gestaltet sind. Zum einen Patience, der ein Exlibri aus einem Groschenroman ist und seiner Frau nachweint. Er trägt den Roman immer mit sich rum und soll eigentlich Furia beschützen, doch die lässt ihn einfach zurück. Er bleibt dafür an Pipps Seite. Ebenso wie Nassandra, die sich abends immer in einen Baum verwandelt, weil sie keine Exlibra ist, sondern eine Kallista. Die beiden ergänzen die Welt in der Villa wirklich gut.

Header Fazit

Die Seiten der Welt: Nachtland hat mir sehr gut gefallen. Durch die vielen Perspektiven wird das Buch zwar um einiges Komplexer als der Vorgänger, doch es geht rasant voran und endet unglaublich spannend. Mittlerweile ist klar, dass es zwar immernoch um Furia und den Rosenkreuzes geht, jedoch Furia nicht mehr im Mittelpunkt der Erzählung steht, was völlig okay ist. Dennoch hat mir der erste Band der Reihe etwas besser gefallen. Der zweite Teil war zwar kein typischer mittlerer Band, doch man bemerkt vor allem am Ende, dass alles auf den finalen Band hinausläuft.

Die gesamte Seiten der Welt-Reihe

(1) Die Seiten der Welt

(2) Die Seiten der Welt: Nachtland

(3) Die Seiten der Welt: Blutbuch

(2) Kommentare

  1. sagt:

    Hi Andrea,

    ich finde auch, dass Die Seiten der Welt – Nachland kein typischer „Fillerband“ ist, wie er als zweiter Teil einer Trilogie häufig vorkommt. Und genau wie du bin auch ich total vom Weltaufbau begeistert. Allein die Vorstellung, durch die Liebe zur Literatur sichtbare magische Kräfte zu erhalten, fliegen oder sich sogar teleportieren zu können, ist absolut großartig. Ich mag die Reihe vor allem auch, weil die Liebe zu Büchern so deutlich spürbar ist.

    Da ich grade auf der Suche nach mehr Austausch bin: Darf ich deine Rezi unter meiner verlinken?

    Liebe Grüße & ein tolles #litnetzwerk
    Nina

    1. Drea sagt:

      Liebe Nina,

      es freut mich, dass wir bei dem Buch auf einer Wellenlänge sind 😀 Ich hab ja nun die Seiten der Welt durch und werde bald auch die letzte Rezension online stellen.
      Gerne kannst du meinen Beitrag verlinken! Ich werde dann auch gerne verlinken 😀

      Liebe Grüße

      Andrea

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.