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Die Mitternachtsbibliothek | Rezension

Rezension Die Mitternachtsbibliothek von Matt Haig

„Da es hier sonst nichts gab, und da sie nirgends sonst hinmusste, trat Nora vorsichtig auf das Gebäude zu.

Sie blickte auf das Digitaldisplay ihrer Armbanduhr.

00:00:00

Mitternacht, genau wie auf der großen Uhr.“

Matt Haig – Die Mitternachtsbibliothek, Droemer Knaur, S.36.

TRIGGERWARNUNG: Die Mitternachtsbibliothek behandelt Themen wie Depression und Suizid.

Rezensionsexemplar von Droemer Knaur

header inhalt

Nora mochte nicht mehr leben und nimmt sich daher selbst das Leben. Doch sie gleitet nicht direkt ins Jenseits, sondern landet an einem Ort Jenseits von Raum und Zeit: in der Mitternachtsbibliothek. Hier hat sie die Möglichkeit alle Leben auszuprobieren, die sie nicht gelebt hat. Aber kann sie in einem anderen Leben glücklich werden?

header meinung

Die Mitternachtsbibliothek von Matt Haig ist zwar ein recht dünnes Buch von „nur“ 318 Seiten, aber diese Seiten haben echt einiges an Gewicht. Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen und ich hing förmlich an den Seiten, hab sogar in den Momenten, in denen ich das Buch nicht lesen konnte, das Hörbuch gehört. Einfach, weil ich wissen musste, wie es weiter geht.

Es gibt eigentlich nur 2 Charaktere, die man als Leser durchgehend begleitet. Einmal die Hauptcharakterin Nora, die sich am Anfang der Geschichte umbringt. Sie ist schwer depressiv, hat ihren Job verloren und fühlt sich einfach nicht mehr wohl auf der Welt. Doch sie tritt nicht ins Jenseits über, sondern in die sogenannte „Mitternachtsbibliothek“. Hier befinden sich all ihre Leben, die sie hätte leben können. Und genau das soll sie tun: Sie soll sich ihr Leben bewusst werden, ihre „Fehler“ einsehen und sich ansehen, was hätte passieren können. Im Grunde ähnlich wie in der Weihnachtsgeschichte, nur lebt Nora diese Leben wirklich. Ihr Geist übernimmt dann die Nora aus dem jeweiligen Leben. Dabei kommt es des Öfteren zu verwirrenden Unterhaltungen oder Momenten, weil sie nur in ein Schlaglicht des Lebens kommt und daher nicht weiß, was vor dem Tag oder der Minute passiert ist.

Nora war mir ein sehr sympathischer Charakter. Ich mochte zwar nicht immer ihre Einstellung zum Leben oder zu ihren Freunden, aber als Gesamtpaket ist sie sehr sympathisch. Sie lässt sich auf die Mitternachtsbibliothek ein und ist zu Beginn eines jeden Lebens eigentlich immer recht enthusiastisch und das fand ich cool. Sie ist schnell zu begeistern und das merkt man ihr an. Sie selbst wurde durch ihre Abenteuer aber auch nachdenklicher, was sehr realistisch ist. Mir hat es sehr gut gefallen, dass Nora sich ihre Leben und alles, was sie bereut hat, anschauen konnte, um am Ende zu sehen, dass ihr Leben vielleicht doch gar nicht so schlecht ist. Sie schaut sich die verschiedensten Leben an und zieht aus fast allen eine gewisse Lehre oder Essenz, die mir als Leser gut gefallen hat. Am Ende muss vermutlich jeder selbst wissen, was er aus dem Buch mitnimmt, denn eines kann ich euch sagen: Das Buch regt definitiv zum Nachdenken an!

„Weder Titel noch Verfassername zierten die Buchrücken. Der einzige Unterschied, außer den Grün-Nuancen, bestand in der Größe: Die Bücher waren ungefähr gleich hoch, aber verschieden bedeutend schmaler.“

Matt Haig – Die Mitternachtsbibliothek, Droemer Knaur, S.38.

Die zweite Person, die mir direkt sympathisch war, ist die Bibliothekarin der Mitternachtsbibliothek: Mrs. Elms. Sie ist eigentlich eine Projektion aus Noras Gedanken, denn diese Frau hat ihr in der Schulbibliothek immer geholfen. Sie ist sozusagen die Seele der Bibliothek und soll Nora auf ihrem Weg begleiten und leiten. Sie gibt ihr immer Denkanstöße oder diskutiert mit ihr das, was Nora erlebt hat und hilft ihr, es einzuordnen. Sie hat keine riesigen Auftritte, dennoch empfand ich sie als eine wichtige Figur.

Matt Haigs Schreibstil ist wie immer auf den Punkt und schön geschrieben. Er schafft es, solch ein schwieriges Thema nicht trocken oder langweilig zu schreiben, sondern auch mit einer guten Prise Humor, die nicht die Schwere aus dem Thema nimmt. Auch der Aufbau der Geschichte ist wie immer sehr gut gelungen und bringt den Leser gut durch das Buch. Ich fand einen Abschnitt von Nora etwas langweilig, weil mir das dann doch ein Abstecher zu viel war, aber alles in allem ist die Mitternachtsbibliothek definitiv ein Highlight!

Ich hätte mir nur sehr gerne eine Triggerwarnung sowohl auf dem Klappentext als auch noch einmal im Buch gewünscht, da Suizid doch ein Thema ist, das man nicht mit Cover oder Titel in Verbindung bringt.

Header Fazit

Die Mitternachtsbibliothek von Matt Haig ist definitiv ein Lesehighlight trotz des schweren Themas der Depression und des Suizids.

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