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Das Buch der verborgenen Dinge | Rezension

Das Buch der verborgenen Dinge von Francesco Dimitri

von Francesco Dimitri

Vielen Dank an Heyne für das Rezensionsexemplar

„Sie werden kommen, rede ich mir ein. Sie werden kommen. Während der gesamten Fahrt vom Flughafen hierher habe ich mir das immer wieder vorgesagt. Wir haben einen Pakt. Sie werden ihn nicht brechen. Der Pakt war Arts Idee. Im Grunde ist er eine dumme Spielerei.“

Das Buch der verborgenen Dinge, heyne, S.11.
header inhalt

Fabio, Mauro, Tony und Arturo sind seit ihrer Kindheit befreundet und treffen sich einmal im Jahr in ihrem Heimatdorf in Italien. Sie haben sich damals eine Art Pakt versprochen, zurück zu kehren. Doch in diesem einen Jahr kommt Arturo nicht zu ihrem Treffen. Beunruhigt beginnen sie die Suche nach ihm. Als sein Haus leer ist, wissen sie: Irgendetwas muss passiert sind. Die Suche führt die Jungs nicht nur in Arturo, Spitzname Arts, aktuelles Leben, sondern auch in ihre gemeinsame Vergangenheit.

header meinung

Der Einstieg in das Buch der verborgenen Dinge war angenehm und einfach. Mit den Figuren bin ich schnell warm geworden und auch die Atmosphäre hat mir von Anfang an gefallen. Man hat den Süden Italiens quasi in jeder Seite gespürt. Auch der Perspektivwechsel zwischen Mauro, Tony und Fabio war angenehm. Die Männer hatten pro Kapitel genug Zeit ihre Geschichte gleichzeitig zu erzählen und damit, die gesamte Geschichte voran zu treiben. Schon zu Beginn hatte das Buch einen mystischen Unterton, weil man schon früh herausgefunden hat, dass Art sich für Mystik und Religion interessiert.

Die einzelnen Charaktere werde ich an dieser Stelle nicht ausführlich vorstellen, weil sie sich alle sehr ähneln. Keine sticht so wirklich raus oder hat etwas Besonderes an sich. Nicht einmal Art, der eigentlich der Paradiesvogel der Bande sein sollte. Fabio ist ein gescheiterter Fotograf, der zwar erfolgreich, aber pleite ist. Mauro ist Rechtsanwalt, verheiratet und hat drei Kinder, dennoch scheint er unglücklich in seiner Ehe zu sein. Tony ist eher so ein Fähnchen im Wind. Ich kann mich im Nachhinein schwer an seinen Charakter erinnern. Außerdem gehört seine Schwester offenbar zur dort ansässigen Mafia, was immer wieder Thema in dem Buch ist.

„Wir ließen seine Worte nachwirken. Manchmal klang Art wie eine Mischung aus einem weisen Einsiedler und einem Achtjährigen, der einen Kraken tröstet. Keiner von uns hegte auch nur den geringsten Zweifel daran, dass er für Großes geschaffen war.“

Das Buch der verborgenen Dinge, Fabios Sicht, S.30.

Die Spurensuche nach Art bringt die Männer quer durch das Dorf und in die Nebendörfer. Zunächst finden sie nur Kleinigkeiten heraus, doch nach und nach wird die Geschichte rund um Arts verschwinden immer merkwürdiger. Es macht plötzlich alles keinen Sinn mehr. Er scheint abgedriftet zu sein, aber wohin und was los ist, das weiß keiner. Aber dieser Abschnitt, in dem die Männer dann völlig im dunkeln Tappen, zieht sich leider extrem. Es ist kurz nach der Mitte des Buches, wo es eigentlich rasant aufs Ende zugehen sollte, doch genau hier hatte ich auch einen extremen Hänger. Ich hatte das Gefühl, die Männer hängen fest und ich mit ihnen. Es war nervig und das hätte man ruhig verkürzen können. Die Spurensuche vorher war interessant und spannend. Die Männer wusste nicht genau, sollen sie zur Polizei oder wollen sie erst einmal den Hinweisen allein nachgehen? Was ist, wenn Art Tod ist und sie plötzlich ins Visier der Polizei geraten? Naja und dann taucht die Mafia auf. Das alles war noch echt spannend, aber als sie des Rätsels Lösung, wurde es einfach nur langweilig.

„Das Haus riecht nach Feuchtigkeit und alten Büchern. Tony saugt deutlich hörbar die Luft ein und verkündet dann: „Keine verwesenden Leichen. Das ist doch schon mal was.“

Das Buch der verborgenen Dinge, heyne, S.32.

Die Anekdoten aus ihrer Vergangenheit haben mir gefallen, aber irgendwann wurden auch das zu viele, die teilweise auch gar nicht mehr wirklich in den Verlauf gepasst haben. Am Anfang ging es viel um Art und es wurde seine Persönlichkeit durch die Anekdoten erklärt. Er war sprunghaft, schnell von etwas begeistert und verschwand auch gerne mal. Doch irgendwann ging es dann um Mauros Frau, die Sommer, als sie sie kennengelernt haben usw. Das alles war aber nicht nötig, um die Geschichte weiter zu bringen.

Ebenso gibt es zwei Erzählungen mit Fabio und Anna, Mauros Frau, die meiner Meinung die Geschichte halt auch gar nicht voran brachte. Es wäre schön gewesen, wenn es geholfen hätte, aber nein.

„Art riet mir zur Fotografie. Schon seit dem Sommer zuvor überprüfte er die Theorie, dass sich so gut wie alle Mädchen bereitwillig auszogen, sofern damit einem künstlerischen Zweck gedient war.“

Das Buch der verborgenen Dinge, heyne, S.55

Das Buch der verborgenen Dinge schwingt immer irgendwie mit. Das ist ein Buch, das Art offenbar geschrieben hat, aber was sich darin verbirgt, wird erst auf den letzten 90 Seiten gelüftet und plötzlich geht da alles Schlag auf Schlag. Das fand ich plötzlich alles zu gewollt, zu sehr darauf, dass es ein Ende geben muss, bei dem Arts Persönlichkeit noch einmal stärker gezeigt, wie toll er doch ist.

Das Ende lässt den Leser dann in der Luft hängen und das fand ich wiederum sehr cool, weil es noch einmal das mystische zurück in die Geschichte geholt hat. Aber dass das Buch als Fantasy oder Mystik deklariert ist, stimmt einfach nicht. Es hat ein kurzes Element, was man aber auch auf Größenwahn zurückführen könnte – mehr nicht. Ich habe mir hier definitiv mehr von versprochen. Es war aber dennoch eine nette Unterhaltung.

Header Fazit

Das Buch hat mir so lala gefallen. Die Figuren waren zum Teil sympathisch, die Handlung hingegen hat sich an manchen Stellen sehr gezogen, dennoch hat es mich unterhalten.

(4) Kommentare

  1. sagt:

    Hallo Andrea,
    ich habe von dem Buch schon einmal eine Rezension gelesen und habe mir überlegt es mir vielleicht anzuschaffen. Wenn Fantasy und Mystik allerdings eine untergeordnete Rolle spielen, dann weiß ich noch nicht, ob ich es lesen werde. Für mich klingt der Titel schon sehr interessant und etwas mystisch. Schade, dass er die Erwartungen an das Buch nicht erfüllen kann. Vielen Dank für deine Einschätzung

    1. Drea sagt:

      Hey Jay,

      Fantasy und Mystik findest du hier wirklich in einer sehr abgeschwächten Form. Vor allem kommen die mystischen Elemente erst auf ca den letzten 20 Seiten so richtig in Fahrt, was ich schade finde, denn man hätte auch noch die Sicht Arturos immer mal einfließen lassen können und zack hätte man den Twists in Richtung Mystik gehabt. Aber naja so ist es nun leider.

      Liebe Grüße

      Andrea

  2. sagt:

    Hallo Andrea,

    ich bin über das Litnetzwerk auf diese Rezension gestoßen.
    Ich hatte schon von den Roman gehört und fand, dass er ganz gut klang.
    Allerdings schreckt es mich ab, dass die Figuren so blass bleiben. Die Figuren sind für mich immer mit der wichtigste Aspekt eines Romans. Dann werde ich mir das Buch wohl nicht kaufen.

    LG
    Elisa

    1. Drea sagt:

      Hallo Elisa,

      das fand ich am Ende auch wirklich schade, zumal das Buch auch wirklich schon eine gute Dicke hat und sehr viel Potential verschenkt wurde durch die Figuren.

      Liebe Grüße
      Andrea

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