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After the Fire | Rezension

After the Fire Rezension

„Ich weiß nicht mal, wo ich bin.

Das Zimmer, in dem ich sitze, ist größer als mein Zimmer in der Basis, aber trotzdem noch ziemlich klein.“

Will Hill – After the Fire, dtv, S.18
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Moonbeam überlebt schwer verletzt einen Brand auf der Farm einer Sekte, der sogenannten „Gotteslegion“. Sie gehörte zu dieser Sekte und wird nun psychologisch betreut, um zurück ins „normale“ Leben zu finden. Aber das FBI hat viele Fragen, die Moonbeam beantworten soll.

Nur zögerlich öffnet die traumatisierte Moonbeam sich ihrem Psychologen und dem FBI Agenten.

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Von After the Fire habe ich wirklich nicht viel erwartet. Mir wurde das Buch im Grunde von einer Bekannten empfohlen und natürlich hatte es mich interessiert. Doch ich bin ein riesiger True Crime Fan und inhaliere gefühlt jeden Podcast, der sich um dieses Thema dreht. Vor allem Sekten sind mein Guilty Pleasure, weil mich die Psychologie, wie solche Gemeinschaften funktionieren, einfach sehr faszinierend.

Nun, da After the Fire aber eine fiktive Geschichte ist, wunderte mich also, ob mich dieses Buch abholen kann. Ich kann euch hier schon einmal Verraten: Es hat mich abgeholt. Die Geschichte von After the Fire ist nämlich gegliedert in „Davor“ und „Danach“, was heißt, dass Moonbeam, die Protagonistin in den Kapiteln von „Davor“ über ihr Leben in der Sekte erzählt und „Danach“ in der Jugendpsychiatrie.

„‘Es bedeutet, dass ich auf das Wohl von Kindern spezialisiert bin‘, sagt er. ‚Besonders von Kindern, die traumatische Erlebnisse gehabt haben. Ich höre ihnen zu und versuche ihnen zu helfen.‘

In meinem Kopf schreit Father John, dass Leute von draußen mir nur wehtun wollen, dass sie mich foltern und töten wollen.“

Will Hill – After the Fire, dtv, S.19.

After the Fire beginnt nämlich damit, dass die Basis der Gotteslegion, also der Sekte, um die es geht, von Polizisten und FBI gestürmt wird. Moonbeam erklärt dem Leser den Überfall, wie die gesamte Basis brennt und wenig später liegt sie im Krankenhaus und danach ist sie auch schon in der Jugendpsychiatrie. Dort fühlt sie sich zunächst natürlich eingesperrt: vor ihrem Fenster sind Gitterstäbe und ihre Tür wird immer wieder abgesperrt. Doch Moonbeams eigentliche Angst ist es, dass sie dort festgehalten wird, weil sie eine Sache verschweigt.

Ich mochte Moonbeam als Hauptcharakter sehr gerne. Ich habe selten eine so fragile und traumatisierte Person gesehen, die schlussendlich so reflektiert über die Sachen, die sie erlebt hat, spricht. Schon am Anfang ist dem Leser eigentlich klar, dass Moonbeam nicht mehr an die Lehren innerhalb der Gotteslegion glaubt und nur noch dort gelebt hat, weil sie nicht flüchten konnte. Die Umstände, die sie dann aber zum nicht glauben gebracht haben, werden im Laufe der „Danach“ Erzählungen klar.

Auch wenn Moonbeam die Protagonistin ist, gibt es noch viele weitere Nebencharaktere, mit denen sie sowohl in der „Davor“ als auch in der „Danach“ Erzählung agiert. Ich mochte die Dynamik zwischen ihr, ihrem Therapeuten und dem FBI Agent sehr gerne. Am Anfang haben sich alle logischerweise vorsichtig herangetastet, doch nach und nach ist Moonbeam aufgetaut und hat den beiden immer mehr von ihren Problemen auf der Basis erzählt. Sie hat sich ihnen geöffnet, erzählt was in ihr vorging und ihre tiefsten Geheimnisse verraten. Wie oben schon angedeutet, hat sie ein sehr großes Geheimnis, mit dem sie am Ende auch noch rausrückt, was so vermutlich nie passiert wäre, hätte sie nicht ihr vertrauen gehabt.

„Es dauert nur noch drei Minuten, dann kommt Schwester Harrow mit dem Frühstück, wenn sie gestern die Wahrheit gesagt hat.

NATÜRLICH HAT SIE DAS NICHT!, dröhnt Father Johns gewaltige Stimme durch meinen Kopf. SIE IST EINE VON DENEN DRAUSSEN! UND DIE LÜGEN! DIE TUN NICHTS ANDERES ALS LÜGEN!“

Will Hill – After the Fire, dtv, S.25.

Die anderen überlebenden Kinder auf der Basis und Moonbeam haben regelmäßig gemeinsam Gruppentherapie. Sie hat eine verbündete namens Honey, bei der sie auch schon wusste, dass sie nicht mehr glaubt. Die anderen Kinder sind viel jünger als Honey und Moonbeam und am Anfang total verängstigt. Auch hier wird nach und nach in der Erzählung jedoch deutlich, dass sie merken, dass diese Lehren nicht gestimmt haben und sie in der richtigen Welt nun klarkommen müssen.

Das Ende von After the Fire hat mir sehr gut gefallen. Es ist zwar ein offenes, aber doch ein sehr schönes Ende. Jeder der Beteiligten hat irgendwie sein Happy End bekommen und das hat mir als Leser wiederum das Herz geöffnet. Man bekommt soviel Lied mit von den Figuren, dass man ihnen am Ende wünscht, dass sie glücklich sind.

Header Fazit

After the Fire ist ein richtig spannendes und gutes Jugendbuch rund um die Problematik einer Jugendlichen in einer Sekte.


Will Hill | After the Fire

24.07.2020 | 480 Seiten

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