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The Power of the Dog | Filmkritik

The Power of the Dog Filmkritik

Benedigt Cumberbatch in einem Western Film? Jetzt erwartet man wilde Schießereien und große Schauspielkunst. Mit an seiner Seite spielt Jesse Plemons, den einige womöglich aus Breaking Bad kennen. Aber da muss ich euch Vorwarnen. Den Colt könnt ihr wieder wegstecken. Jane Campion liefert ein grandioses Drama, das in den 1925er Jahren spielt.

Der Film basiert auf dem Roman „Die Gewalt der Hunde“ von Thomas Savage. Savage selbst wuchs auf Ranches in Montana und Idaho auf, weshalb er sich sicherlich von seiner Kindheit inspirieren ließ. Schon damals, als das Buch 1967 veröffentlicht wurde, war der Roman ein Erfolg. Der Autor selbst ist auf seinen Figuren stolz. Ganz besonders jedoch auf die von Cumberbatch: Phil Burbank.

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Western mit ein wenig Kitsch

The Power of the Dog zeigt die Machtverhältnisse zwischen den einzelnen Figuren Phil und George Burbank. Zwei Brüder, die nicht unterschiedlicher sein können. Seit 25 Jahren führen sie gemeinsam eine Ranch. Wer damals Rinder züchtete und verkaufte, konnte sich zumindest einigen Reichtum leisten. Reichtum, den die beiden verlorenen Figuren gar nicht zu brauchen scheinen. George (Jesse Plemons) ist stets gut gekleidet, wirkt eher wie ein Geschäftsmann als ein Cowboy und ist mit dem Gouverneur befreundet. Sogar seine Eltern kennen den Gouverneur, was zeigt, das die Familie zumindest Einfluss hat. Phil dahingegen entspricht dem klassischen Ranchbesitzer: Mit Jeans, Hut und Zigarette entspricht er der damaligen Männlichkeit. Phil hat seine Männer auf der Ranch im Griff. Sein Handwerk hat er von einem guten alten Freund gelernt. Im Film ist er stets auf Konfrontation aus, was sich von seinem Bruder unterscheidet. George fährt lieber sein Auto, anstatt auf einem Pferd zu reiten.

Es ist der Beginn der Geschichte, als George die Hotelbesitzerin und traurige Witwe Rose (Kirsten Dunst) trifft und Phil überhaupt kein Verständnis für ihre Liebe aufbringen kann. Phils Zeitgeist lebt in der Vergangenheit, mit seinem Ziehvater Bronco Henry, der ihm alles über die Ranch beigebracht hat. Dafür macht er Rose das Leben schwer, sodass sie sich von seiner männlichen Aggression in tiefere Trauer zurückzieht. Sie scheint sogar Angst vor ihm zu haben.

Aber da ist noch jemand. Der Adoptivsohn von George und der leiblich Sohn von Rose, der dürre angehende Medizinstudent Peter (Kodi Smith-McPhee). In Phils Augen ist er verweichlicht, wenn er lieber bastelt und das Gegenstück zu seiner Männlichkeit ist. Dieses Machtgefüge zwischen Phil, George, Rose und Peter wandelt sich im Film. Wie bereits gesagt, finden wir keinen klassischen Western in diesem Film. Es geht um das Drama dieser Figuren. Leider fehlt hier dann auch die Tiefe in den Gefühlswelten der Figuren. Rose, die von Phil terrorisiert wird und George, der sich im Mittelteil des Filmes gar nicht mehr zeigt, hätte sehr viel Konfrontation bieten können. Lediglich zu einer Umarmung in den Bergen Montanas kann sich George hinreißen lassen. Aber auch hier ist es der Eigennutz, nicht mehr einsam zu sein, anstatt den Gefühlen von Rose zuzuhören.

Figuren im Kampf der Selbstakzeptanz

Die Machtverhältnisse wanken am Höhepunkt, als für Peter klar wird, dass Phil und Bronco mehr als nur Freunde waren. Was schon 1967, als das Buch veröffentlicht wurde, stark kritisiert wurde, passt in die heutige Zeit umso mehr. Gerade für Netflix sollte es daher in ihr Portfolio passen. Janes Campions Adaption bringt die Männlichkeitsbilder, Geschlechterrollen und Homosexualität perfekt zur Geltung. Benedict Cumberbatch schafft es diesen inneren Frust und den Kampf mit sich selbst und seiner verlorenen Liebe perfekt darzustellen. Als Zuschauer versteht man ihn und seine bösartigen Taten, da man schnell begreift, dass er einfach nur eine verlorene Seele ist.

Eine Geschichte ohne scheinbares Ziel

Der Film kann für einige Zuschauer sehr langsam sein. Mit einer recht langen Spielfilmlänge von 2 Stunden werden sehr viele Szenen gezeigt, weshalb man sich fragen kann, wann das Ende zu erwarten ist. Nichts desto trotz ist die Atmosphäre anhaltend gut dargestellt, weshalb es für Fans langsamerer Filme geradezu perfekt ist. So lässt es man dem Zuschauer Zeit zum nachdenken. Ähnlich kann die Musik die weiten der Prärie untermalen. Langsame Banjo Musik und dramaturgische Geschwindigkeiten unterstützen mit Klavierklänge die Gefühlsschwankungen der Figuren. Wer es bis zum Ende schafft, kann sich der Ruhe des Abspanns widmen, um sich über das soeben erzählte Ende Gedanken zu machen.

Header Fazit

The Power of the Dog war nicht das, was man erwartet hätte. Die Schauspieler bieten eine große Darbietungen und auch wenn die Geschichte zuerst unerwartet ist, kann man sich sehr gut auf den Film einlassen. Letztendlich ein anderer Art Westernfilm, der auf Netflix zu einen der besseren Filme gehört.

Das Buch zum Film

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